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Zur Geschichte der Goldwährung / von Karl Helfferich
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hatten «Ii«; klare Einsicht, dafs Oesterreich früher oder späterdefinitiv werde zur Goldwährung übergehen müssen, und ein solcherUebergang mul'ste um so schwieriger werden, je mehr Silberguldeuvorbanden waren. All das Silber, welches jetzt auf private Rech-nung ausgeprägt wurde, mul'ste bei einem Uebergang zur Gold-währung auf Rechnung des Staates gegen Gold ausgetauschtwerden. Aus solchen Erwägungen heraus ist es zu erklären, dafszu Beginn des Jahres 1879 durch Befehl des Fiuanzminislers denMünzstätten die weitere Annahme von Prägeaufträgen für Silberuntersagt wurde. Damit war die österreichische Silberwährungdefinitiv aufgegeben und der erste Schritt für die gesetzliche An-na Inno der Goldwährung gethan. Da Niemand mehr einen Au-

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spruch darauf hatte, für '/ 45 Pfund Silber, den Silbergelralt einesGuldens, einen geprägten Gulden zu bekommen, so konute sichder Werth des österr. Guldens über seinen Silbergehalt erheben,und das geschah. Der österr. Silherguldeu und Papierguldenstanden von nun an auf Pari, aber ihr Werth erhob sich immermehr über den Werth des Silbergehaltcs eines Guldens, ähnlichwie der Geldwerth unserer deutscheu Silbermünzen bedeutendgröfser ist als ihr Metallwerth, nur dafs bei uns sich der Geld-werth der Silbermünzen vom Golde herleitet, während er inOesterreich vollkommen frei iu der Luft schwebte. Das konntenatürlich nur ein L'ebergangszustand sein, welcher sein Ende ineiner Tarifirung des Guldens in Gold, in einer Freigabe der Gold-prägung und Aufnahme der Baarzahlungen in Gold finden mufste,kurz in der definitiven Annahme der Goldwährung. Diese Zieleverfolgt die im Jahre 18Ü0 eingeleitete Valutareguliruug, welchejetzt ihrem Ende entgegengeht.

Wir sehen also, dafs die österreichische Regierung seit Jahr-zehnten mit Konsequeuz auf die Goldwährung hinarbeitet. Wenndie Durchführung der Goldwährung bis auf den heutigen Tagnicht völlig gehülsten ist, so liegt das ausschliefslich an deu finau-

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zicllen Schwierigkeiten, mit welchen Oesterreich zu kämpfen hatund vielleicht auch au seiner allzusehr zaudernden Finanzpolitik.Die Gründe, von welchen sich Oesterreich bei seinen währungspoliti-scheu Mafsnahmeu leiten liefs, sind klar ersichtlich: Man hatauch in Oesterreich längst erkauut, dafs namentlich handels-politisch die < ioldwährung das einzig befriedigende und möglicheWährungssystem ist.