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Zur Geschichte der Goldwährung / von Karl Helfferich
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erfolglos. Natürlich richteten sich die Bestrebungen der öster-reichischen Regierung zunächst auf die Wiederherstellung der ge-

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setzlichen Silberwährung; aber bereits früher als in anderen deut-schen Staaten zeigte Oesterreich Sympathien für das Gold. Schonim Jahre 1853, als die Verhandlungen über den deutsch-österreichi-schen Münzverein eingeleitet wurden, beantragte Oesterreich dieAnnahme der Goldwährung, allerdings ohne die Unterstützungauch nur eiues einzigen deutschen Staates zu linden. Späte] - , imJahre 1867, sprach sich auf der Pariser internationalen Münz-konferenz Freiherr von Hock , der österreichische Delegirte, mitEifer und Nachdruck für die Goldwährung aus, ja es kam nochim selben Jahre zu einem Präliminarvertr'ag zwischen Frankreich und Oesterreich, nach welchem Oesterreich sein Münzwesen aufder Grundlage der Goldwährung neu ordnen wollte. Dieser Prä-liininarvertrag wurde jedoch nicht ratifizirt, weil in Frankreich die Entscheidung über die Währungsfrage immer wieder ver-schoben wurde. Oesterreich selbst war durch den Zustand seinerFinanzen nach wie vor an der Wiederherstellung einer metallischenValuta verhindert.

Mit Beginn der siebziger Jahre kam die Silherentwerthung

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mit ins Spiel. Der in Gold ausgedrückte Silberpreis sank mehrund mehr, während der österreichische Wechselkurs auf Gold-länder, also der Goldpreis des österreichischen Papierguldens, ver-hältnifsmäfsig stabil blieb. So kam es, dafs die Werthdifferenzzwischen dem österreichischen Silber- und Papiergulden, das..Silberagio." durch die Silherentwerthung immer geringer wurde

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und schliesslich völlig verschwand. Durch die Silherentwerthunghatte sich also von selbst herausgebildet, was man früher mitgrofsen Anstrengungen, aber vergeblich zu erreichen versuchthatte: Das Silberagio war beseitigt, der Papiergulden und derSilbergulden standen auf Pari. Aber Oesterreich war mit diesersogen. ..Selbstrcgulirung" seiner Valuta keineswegs sehr zufrieden.Das Silber setzte seine sinkende Bewegung fort und drohte nun,die österreichische Valuta mit sich herabzunehmen. Es erschienden Edehnetallhändlern vorteilhaft, von der freien Prägung fürSilber Gebrauch zu machen, und die österreichischen Münzstättenwurden mit Prägeaufträgen überhäuft. Aber die österreichischenStaatsmänner erkannten damals klar, dafs ihnen mit den Silber-guldeu und mit einer Silberwährung nicht mehr gedient war; sie

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