kcnni, welche oftmals durch einen einigermaßen anhaltenden Regenfür Wochen völlig unpassierbar werden, der wird die geschilderte Aus-dehnung des Eisenbahnnetzes in ihrer oollen Wirkung auf den russi-schen Getreideban und Getreiderport zn würdigen verstehen. WasIndien anlangt, so hat man in den 80er Jahren die von diesemLande drohende Konkurrenz bedeutend überschätzt. Die Produktions-kosten des Getreides sind dort verhältnismäßig große. Die Technik isteine rückständige, und vor allem sind zur Kultivierung neuer Gebietemeist nmfnugreiche Bewässerungsanlagen nötig. Die infolge der Auf-schließung des Landes durch Eisenbahnen seit den siebenziger Jahrenstark anwachsenden WeizenauSfuhreu sind eher im Rückgang begriffen,auch die Anbaufläche hat infolge der sinkenden Weltmarktpreise abge-nommen — ein deutlicher Beweis dafür, daß Indien trotzseiner un t e rw er t i g c n Valuta diese sinkenden Preisenicht veranlaßt haben kann.
Neuerdings ist Argentinien in den Vordergrund geschobenworden. Der enorm angewachsenen argentinischen Konkurrenz ist derneuerliche Rückgang der Getreidepreise in erster Linie zuzuschreiben.Argentinien Produziert sein Getreide unter den gün-stigsten Bedingungen, die man sich deuten kann. Es hateine große Fläche des fruchtbarsten Getreidebodens, welche erst in geringemUmfang in Anbau geuommeu ist. Der Boden ist von einer Humus-schicht (9.80—2,50 m dick) bedeckt, welche auf lange Jahre hinausdie Düngung überflüssig macht. Die Arbeitstiere sind infolge desreichlichen Weidelandes von einer unglaublichen Billigkeit. Der Preisdes Bodens ist außerordentlich niedrig. In den besten Provinzen mitAusnahme von Buenos-Aires kostet das Hektar ausgezeichneten Bodensin günstigster Lage 25 Gold K—100 Mk. im Marimum. Die Erntensind meist sehr reichlich und die Qualität des Getreides ist eine vor-zügliche. — Die Ucberlcgenheit der argentinischen Konkurrenz ist alsoeinleuchtend, wir haben nicht nötig, zu ihrer Erklärung auf dieWährnngSvcrhältnisse zurückzugreifen.
Fassen wir die Resultate dieser Untersuchung zusammeu, dannfinden wir:
Der Rückgang der Getreidepreise ist veranlaßt durchdie überseeische Konkurrenz auf dem Weltmarkt. Dieseüberseeische Konkurrenz ist hervorgerufen worden durch die Auf-schließung von Anbauflächen, welche mit weit geringeren Pro-duktionskosten als die europäische Landwirtschaft imstande sind, Getreidezu Produzieren. Ursache für die geringen Produktionskosten sind: dievorzügliche Qualität des jungfräulichen Bodens, welcherfür Jahre hinaus keiner besonderen Pflege, vor allem keiner Düngungbedarf; meistens enorme Billigkeit des Arbeitsviehs; dieMöglichkeit einer sehr extensiven Wirtschaft und schließlich dieaußerordentliche Billigkeit des Bodens. Diese Flüchen wurdenin den letzten drei Jahrzehnten dem Weltmarkt allmählich durch eine
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