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Währung und Landwirtschaft / gemeinfaßlich dargest. von Karl Helfferich
Entstehung
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dadurch die Hypothekenschulden der Landwirtschaft bei gleichbleibendemNennwert in deutschem Gelde gewachsen seien, können wir als beseitigtansehe». Der niedrige Diskont und Zinsfuß, die seit Jahrzehntenfortgesetzt steigenden Arbeitslöhne sind mit einer Wcrtsteigerung uusreSGeldes völlig unvereinbar, und das Sinken des Preises einer Reihevon KroßhaudelS-Artikelu, welches als Beweis sür eine Geldwertstei-gerung ins Feld geführt wird, findet seine naturgemäße Erklärung inVerbesserungen und Vereinfachungen in Produktion und Transport derbetreffenden Güter. Die fortdauernd wachsende Goldprodultion, welchegegenwärtig höher ist als je zuvor und alle Aussicht hat, noch weiterzu steigen oder sich wenigstens für eine beträchtliche Zeit ans gleicherHöhe z» halten, läßt auch für die Zukunft eine Goloverteueruugnicht als wahrscheinlich erscheinen, selbst wenn eine Reihe von Staatenden Uebcrgang znr Goldwährung ansführeu würde». Infolgedessenerkennen heute selbst eine Reihe von Biuietallisteu an, daß eine Gold-vericuerung weder besteht noch sür abscbbare Zeit zn erwarten ist.Wir beschäftigen uns deshalb lediglich mit der Frage, inwiefern dieWährnngSvcrhältnisse auf die überseeische Getreide-Konkurrenz einge-wirkt haben. '' ^ ^ '" ^' -5

Bereits im ersten Abschnitt haben wir festgestellt, daß das wichtigsteGetrcideprodnltionsgebict, die Vereinigten Staaten , welches inden 8(1er Jahren den ersten erheblichen Preisrückgang des Getreideshervorrief, Goldvaluta hat wie wir, daß für die Konkurrenz diesesGebietes ein Einfluß der Währnngsverhältnisse nicht in Frage kom-men kann.

Das einzige Silberwährungsland, dessen Getreideausfuhrin Betracht kommt, ist Indien, richtiger gesagt: war Indien; dennseit Mitte 1893 ist die indische Silberprägung eingestellt, die indischeRnpie ist unabhängig von ihrem Silbcrgchalt und steht gegenwärtigca. 20°/o höher als dieser.

Die zwei noch bleibenden wichtigen Produktionsgebiete, Ruß-land und Argentinien, haben beide Papierwährung.

Der seit 1870 eingetretene Prcisfall des Silbers, welchen dieBimetallisten gerne der deutschen Goldwährung zur Last schreibenmöchten, kann also höchstens auf den indischen Export einen Ein-fluß ausgeübt haben, da mir das indische Geld vom Silberpreis ab-hängig war. Die Bimetallisten wollen sich jedoch nicht zu dieser Ein-sicht bequemen. In Persammlnngen nnd Parlamenten kann man daherdes öfteren hören, daß sie ans Argentinien und gelegentlich auchaus Rußland Silberwährungsländcr machen. Die Klügeren,welche sich nicht in den Ruf eklatanter Unwissenheit oder absichtlicherFälschung der Thatsachen bringen wollen, verfahren anders. Sie be-haupten, diese Länder seien nur deshalb zur Papierwährung ge-kommen, weil sie an Stelle ihrer soliden alten Silberwährung,welche durch die Aechtung des Silbers diskreditiert wnrde, die Gold-währung hätten einführen wollen oder weil sie die Bar-