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Währung und Landwirtschaft / gemeinfaßlich dargest. von Karl Helfferich
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und aufrecht erhalten könnten, und deshalb lieber bei ihrem Papierblieben. So behauptet Arendt, Argentinien sei deshalb in die Papierwirt-schaft geraten, weil es, in Nachahmung deS europäischen Beispiels, die Gold-währung einführen wollte, nnd Rußland fährt er mit Oesterreich-Ungarn als Beispiel dafür auf, daß finanzschwache Länder die Gold-währung nicht aufrecht erhalten können, sondernsehr bald anStelle der dekretierten Goldvalnta thatsächliche Pa-pierwirtschaft mit unbegrenzten Agioschwankungen ha-ben." Znr Steuer der Wahrheit sei festgestellt, daß Argentinien bereitsim Jahr 1826, als es noch Silberwührung hatte, zur Papierwirt-schaft kam, und daß das Agio bis zur Eiuführnng der Goldwährungeine Höhe von 3000 °/o erreichte, während jetzt unter der dekretiertenGoldwährung sein Agio 300°/» kaum überstiegen hat; daß fernerRußland nnd ebenso Oesterreich gleichfalls von der Silberwährungzur Papierwährung gekommen sind und daß ersteres Land bis aufden heutigen Tag keinegesetzliche Goldvalnta" dekretiert hat, daßalso die Goldwährung unmöglich schuld an der Papierwirtschnft seinkann. Das alles weiß natürlich Arendt so genau, wie alle andern,welche sich auch nur oberflächlich mit den Währungsverhältnissen be-schäftigt haben. Er hält es aber aus Gründen der praktischen Agitationfür opportun, und offenbar auch für erlaubt, der geschichtlichen WahrheitGewalt anzuthun. Die Silbcrentwertuug hat also mit der russischenund argentinischen Konkurrenz absolnt nichts zu schaffen, sondernhöchstens mit der jüdischen. Untersuchen wir nichtsdestoweniger denEinfluß, welchen die sinkende indische Silberwährung und dieunter-wertigen" Pcipiervalntcu Rußlands nnd Argentiniens auf die Getreide-konkurrenz dieser Länder ausgeübt haben.

Die Bimetallisten behaupten, in den Ländern mit sinkender Valutableiben die Produktionskosten, iu heimischem Gelde ausgedrückt, gleich,während man für das gleiche Qncmtum Goldgeld fortwährend eingrößeres Quantum heimischen Geldes erhält. Dadurch werde die Pro-duktion, und besonders die Getreideproduktion der Länder mitunter-wertiger" Valuta ähnlich begünstigt, wie durch eine Exportprämie.Die Produzenten dieser Länder würden in stand gesetzt, den euro-päischen Getreidebau zu unterbieten und die Weltmarktpreise zu drücken.

Nun ist es einmal nicht richtig, daß bei sinkender Valuta dieProduktionskosten unverändert bleiben. Dieselben bequemen sich viel-mehr allmählich dem gesunkenen Geldwert an. Die von den Bime-tallisten aufgestellte Behauptung trifft also selbst rein theoretisch nurin sehr beschränktem Sinne zn. Sie beruht lediglich auf einer ab-strakten Deduktion und ist noch niemals mit einer greifbarenThatsache belegt worden.

Prüfen wir aber das wirkliche Verhalten der sinkenden Valutender hier in Betracht kommenden Länder.

Daß die indische Valuta bis zum Jahre 1893 eine sinkende war,ist nicht zu bestreikn. Der Wert der indischen Rupie im engl. Gold-

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