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selbstverständlich erst Jahre nach der Beschaffung des Kapitals, welcheszu ihrer Erbauung erforderlich ist. in Betrieb gesetzt werden, und sokann heute bei der unterwertigen Valuta der argentinische Eiscnbahn-bnu noch von den Vorteilen der Jahre mit durchgeführter Goldwahrimgzehren. Aber die Zeichen des Rückschrittes machen sich schon deutlichbemerkbar. Die Einsuhr von Eisenbahn- und sonstigem Baumaterialist in den letzten Jahren ganz enorm zurückgegangen, von 36^4 MillionenGold K im Jahr 1890 auf 3'/4 Millionen Gold K im Jahr 1893.eine Stockung des Eisenbahnbaus muß also in allernächsterZeit eintreten — lediglich als Folge der Währungswirren.
Was hier von Argentinien gesagt ist. gilt auch vou den andernLändern mit unterwertiger Naluta. Es ist eiue allgemein aucrlanuteThatsache, daß die Investierung von Goldkapital in Ländern mit unter-wertiger Valuta gerade durch diese sehr erschwert wird. Es ist einestündige Klage aller, welche den Einfluß der Silberentwertung auf dieindische Volkswirtschaft kennen, daß die Silbcrentwertuug es für Indienunmöglich mache, die für Eisenbahnbauten, Bewässerungsanlagen :c.notwendigen Kapitalien aufzubringen. Der europäische Kapitalist ver-langt Verzinsung in Gold, uud diese kann die indische Regierung nurmit großer Gefahr für ihr Budget zugestehen, da ihre gesamten Ein-nahmen in Silber eingehen. Die indischen Eisenbahnen sind in denletzten drei Jahrzehnten verhältnismäßig stark ausgedehnt worden, vonvon 839 engl. Meilen im Jahre 1860 auf 18 042 Meilen März1893. Trotzdem erklärt ein englischer Bimetallist, die indische Re-gierung habe, obwohl das dringende Bedürfnis nach einer erheblichenAusdchuuug des Eisenbahnnetzes vorliege, dieselbe nur „im geringstdenkbaren Umfaug" vornehmen können. (Erzbischof Walsh.) Einanderer macht die durch die Silbcrentwertuug hervorgerufene Verzögerungdes Eisenbahnbaus dafür verantwortlich, daß erst die Hälfte desanbaufähigen Bodens in Indien in Kultur genommensei. (Taylor.) Auch der Bericht der englischen Silber-Kommissionvon 1888 erkennt diese Thatsachen vollkommen an.
Diese Wirkung der unterwertigen Valuten ist allerdings eine ganzandere, als die von den Bimetallisten hehauptete Exportprämie. Siebeschrankt die überseeische Konkurrenz, hält dieselbe in ihrer Ent-wickelung ganz wesentlich zurück; sie verzögert die Ausdehnung desGetreidebaus auf fruchtbare Flächen, welche bei guten Transportver-hältnissen den Anbau ebenso gut lohnen würden, wie die bis jetzt indiesen Ländern in Anbau genommenen. Davon sprechen allerdings dieBimetallisten nicht, aber bloßes Totschweigen kann Thatsachen nichtbeseitigen. Wenn die „unterwertige" Valuta überhaupt einen Einflußauf die Getreidekonkurrcuz der Papier - und Silberländer hat, dannist eS ein hemmender. Nur mit Goldkapital können diese Länder auf-geschlossen und kann ihr Getreidebau ausgedehnt werden, aber das Gold-kapital wird ihnen gerade durch ihre unsichere Valutaverhältnisse inerheblichem Maße beschränkt. Das stärkste Aufblühen des nordameri-