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Währung und Landwirtschaft / gemeinfaßlich dargest. von Karl Helfferich
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konischen Ackerbaus und der größte Aufschwung seiner Gctreidc-kouturrenz, füllt nicht in die Jahre der sinkenden Valuta, sondern geradein die Zeit, in welcher die amerikanische Valuta im Verhältnis zu denGoldvaluten ununterbrochen stieg. Die Grundlagen der Blüte derargentinischen Landwirtschaft sind nicht in den Zeiten der miserabelnPapiervaluta mit 3000°/o Agio gelegt worden, sondern in den Jahrender thatsächlich durchgeführten Goldwährung. Und wenn heute Indieneinen festen Rupieukurs erhält, wenn sich infolgedessen das europäischeCapital, welches sich wie auch Arendt in der Silberkommissiongesagt hat heute nicht in Silberwährungsländer begeben kann,Indien in hohem Maße zuwendet, wenn der Ausbau des indischenEisenbahnnetzes in großem Stil begonnen werden kaun, dann erst kanndie indische Konkurrenz der europäischen Landwirtschaft gefährlich werden;bis dorthin wird ihre Entwickelung durch die Silberentwertung da-niedergehalten.

Es ist begreiflich, daß die Bimetallisten diese Kehrseite nicht zeigen,daß sie sich stellen, als ob sie von diesen Verhältnissen keine Ahnunghätten, und daß sie dieselben günstigstenfalls mit nichtigen Einwändenabzuthun suchen. So hat Arendt kürzlich behauptet, iu Indien sei dasGetreide durch die bisher ausgeführten Eiscnbahnbauten gar nicht ver-billigt worden, eS habe iu indischem Silbergcld hente noch fast genaudenselben Preis, wie 1873 ein Beweis, daß das Getreide durchAufschließung neuer Anbauflächen nicht verbilligt werde, und daß ledig-lich die WährungSvcrhältnisse nn dem Sinken der Getreidepreise schnldseien. Arendt beliebt dabei, völlig zn übersehen, daß das Silber undmithin auch das indische Silbergeld seit 1873 erheblich im Werte ge-sunken ist, daß also nach Arendts eigener Theorie der Preis des Ge-treides in indischem Geld diesem Sinken des Geldwertes entsprechendhatte steigen müssen. Wenn nun die indischen Getreidepreise trotzdemgar nicht, oder doch nur minimal gestiegen sind, so ist klar, daß andereUmstünde diesem Steigen entgegengewirkt haben, daß die durch dieVeränderung des indischen Geldwertes notwendig verur-sachte steigende Tendenz des Getreidepreises durch Verän-derungen in den Pr odn kti on sb edi ngun g en des Getreidesaufgehoben worden ist.

Speziell für Indien kommt aber noch ein anderes Moment inBetracht, als die Aufschließung neuer Anbnnflüchen dnrch den Eisen-b a b n b a n. Hm Dr. Ruhland - Zürich , ein Gelehrter, welcher sichin den Dienst des Bundes der Landwirte gestellt hat, der also vonagrarpolitischem Gesichtspunkt aus den Agrariern gewiß unverdächtig ist,führte in Bezug auf diesen Punkt am 19. Februar 1895 im Vereinder Steuer- und Wirtschaftsformen folgendes aus:

,,^n Indien haben wir mit außerordentlich schlechten VerkehrS-verliältnissen zu rechnen. Ein Transport von Weizen oder Getreideans eine irgendwie geartete größere Distanz ist absolut ausgeschlossen.Auf der andern Seite muß Indien mit einer außerordentlichen Un-