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regelmäßigkeit der Rcgenfälle rechnen: tritt nun eine derartig ungünstigeWitterung ein, dann sind einzelne Thäler, die immer für sich ans dieBrotversorgung angewiesen sind, in der traurigen Lage einer HuugcrS-not. Und deswegen sieht sich der indische Landwirt nnd der Jndiergezwungen, fortwährend, soweit nicht in das betreffende Gebiet eineEisenbahn hineingebaut wird, zwei, drei, vier und mehr Ernten inden Boden einzugraben. Diese Art der Eingrnbnng und Silolagerungwird nach ganz uralten Mustern ausgeführt: Man sucht sich irgend-wo ein trockenes Gebiet, gräbt hier ein Loch, thut etwas Stroh hinein,dann wird das Getreide hineingeworfen, mit etwas Häckerling nndetwas Kuhdung durchmcngt, mit Erde bedeckt und bleibt so, wie ichmich selbst überzeugen konnte, ohne wesentliche Schädigung bis zu zehnJahren im Boden drin. Nun kommt in dieses Gebiet eine neueEisenbahn. Mit diesem Augenblick wird es in den nationalwirtschaft-lichen, und weiterhin in den weltwirtschaftlichen Perkehr eingegliedert,und mit diesem Augenblick verschwindet auf einmal das Bedürfnisder Erhaltnng und Weiterfortführung eines mehr oder minder erheb-lichen Vorrats von Notstandsweizen. Das Getreide, das also bisdahin für Notjahre festgehalten wurde, wird jetzt für den Markt frei,und ganz gleichgültig, wie viel oder wenig der indische Landwirt da-für bekommt, daß er überhaupt etwas dafür bekommt, das genügtihm. Jeder Preis ist für ihn Gewinn."
Ruhland erinnerte nun an die zahlreichen GoldverbindlichkeitenIndiens, bei deren Umfang jede Veränderung des Rupieulurses umeiueu Peuny für das indische Budget eine Bedeutung von etwa 1 Million— 2V Millionen Mark hat. Der Bimetallismus auf Grundlageder Relation von 1 : 15'/s würde nun — im Falle seines Gelingens —den Rupienkurs von etwa 13^/s ä. auf etwa 2 sli. hebeu, also umetwa 10 6. „Das wäre alsdann sür die indischen Finanzen, so führtRuhland fort, ein Vorteil von 200 Millionen Mark pro Jahr. Undnun, meine Herren, errinnern Sie sich, das; die indische Regierung seit Jahrenfortwährend gepreßt wird, neue Eisenbahnen zu bauen . . . dannwerden Sie kaum daran zweifeln können, daß der wesentliche Betragdes auf diese Weise dem indischen Finanzminister zufließenden Kapi-tals zum Ausban des indischen Eisenbahnnetzes verwendet werden würde.Wenn sie aber in Indien mit einem Aufwand von etwa 2hl) MillionenMark, das Eisenbahnnetz, das heute kaum mit ganz vereinzelten Linienin dieses Riesengebiet hineinreicht, auszubauen beginnen, dann graben sieauf diese Weise eine ganz kolossale Masse der in Erdhöhlen aufgestapeltenNotvorräte auf, und diese wandern, so sicher, wie 2 mal 2 — 4 ist, vonIndien her zu uns. Sie werden also unbedingt durch dieseplötzliche Aenderung der Valuta bewirken, daß einesehr bedeutende Zunahme der Weizenausfuhr eintritt."
Irrtümlich an diesen Ausführungen erscheint nur, daß lediglichbei einem festen Wertverhältnis von 1 : 15'/2 der Ausbau der indi-schen Bahnen sich vollziehen und die geschilderten Folgen eintreten