Druckschrift 
Die Schicksale des lateinischen Münzbundes : ein Beitrag zur Währungspolitik / von Ludwig Bamberger
Entstehung
Seite
134
Einzelbild herunterladen
 

134

wie politische Schwierigkeiten wären natürlich auch bei dieserLösung zu überwinden und durch die feindselige HaltungFrankreichs nicht grade erleichtert. Es traf eben zu, was derbelgische Delegirte bei seinem provisorischen Rücktritt ganzrichtig als das letzte Wort der Situation ausgesprochen hatte:sein Land kam zur Erkenntnifs, dafs es einen Fehler begangen,als es in einen Währungsbund, noch dazu gegen seine Ueber-zeugung auf Grundlage der Doppelwährung, eingetreten war,und der Strafe für diesen alten Fehler ist heute nicht mehrzu entrinnen. Die Frage ist nur, wo das gröfsere Uebel droht.In dem Augenblick, da dieses geschrieben wird, schwebtdie Lösung noch. Aber wie sie auch falle, hier wie bei allenvorher geschilderten Verwicklungen stellt sich das ab-schreckende Exempel von der Unberechenbarkeit der Gefahrenein, deren Keime in solchen Bündnissen ruhen.

Kommt auch mit Belgien nach unsäglichen Mühen dasAbkommen zu Stande, welches beide Theile aus natürlichemWiderstreben gegen äufserste Entschlüsse im Stillen demBruche vorziehen, so wird die eigenthümlich verzwickte undverschrobene Gestalt, in welcher der Vertrag aus den letztenschweren Meinungsverschiedenheiten hervorgegangen ist, miteiner noch gröl'seren Anzahl von Verkrümmungen entstellt.Denn schon jetzt, ehe wir die eventuell von Belgien errungenenZugeständnisse kennen, ehe wir wissen, ob dieselben nichtauch den Italienern, wie diese verlangen, eingeräumt werdenmüssen, macht der Bundesvertrag vielmehr den Eindruck einerAnordnung für das demnächstige Auseinandergehen als fürdas dauernde Zusammenleben der Verbündeten. Die Mengeder Clauseln, die nach allen Richtungen angebracht sind,erinnert lebhaft an die zahlreichen Nothausgangs-Aufschrifteu,welche nach dem grofsen Wiener Theaterbrand an allen Eckender Schauspielhäuser angebracht waren und unter dem Scheinder Beruhigung den Versammelten keinen Augenblick vor demGedanken der Lebensgefahr, in der sie schwebten, RuheHessen .