— 44 —
erfolgen solle. „Es handelt sich," sagte er, „hier um eine Reform,wir im Interesse des Ganzen unternehmen, die aus einemgemeinsamen Sinne hervorgeht, wobei es ausserordentlich schwer,ja geradezu unmöglich ist, zu sehen, inwiefern der einzelneTeil dem Ganzen, inwiefern das Ganze dem einzelnen Teiledient." Speziell die Umwandlung des Silberumlaufs in einenGoldumlauf könne einer einheitlichen Leitung nicht entbehrenund dürfe nicht dem guten Willen und dem Gutdünken derEinzelstaaten überlassen werden.
Der erste dieser Anträge, der zur Verhandlung kam, ver-langte, dass die Ausmünzung der Reichsgoldmünzen nicht nurvorläufig und während der Ubergangszeit, sondern ein- für alle-mal auf Kosten des Reichs erfolgen solle, soweit sie nicht späterauf private Rechnung geschehe.
Camphausen trat dieser Forderung entgegen. Die be-treffenden Paragraphen des Entwurfs beruhten auf einem Kom-promiss der Bundesregierungen, den man nicht ohne zwingendeNot ändern dürfe. Man habe sich bei der Feststellung desEntwurfs im Bundesrat dahin geeinigt, die Münzprägung derTerritorialhoheit zu überlassen, und die notwendige Folge sei,dass auch die Kosten der Aufrechterhaltung der Vollwichtigkeitdes Münzumlaufs von den Einzelstaaten getragen werden müssten.Die Frage der Privatprägung sei überhaupt noch nicht spruch-reif. Das alles seien jedoch nur „rationes dubitandi", man wollejetzt überhaupt noch keine definitive Entscheidung in diesenFragen treffen.
In der That setzte es Camphausen durch, dass der ersteder Bambergerschen Anträge abgelehnt wurde. Viele, die prin-zipiell auf der Seite Bambergers standen, wollten es nach Mög-lichkeit vermeiden, den Kompromiss der Bundesregierungen zustören; und in dem vorliegenden Fall konnten sie sich damitberuhigen, dass ja nach der Regierungsvorlage vorläufig dieAusmünzung im Sinne Bambergers auf Anordnung und aufKosten des Reiches erfolgen solle, und dass der Reichstagspäter bei der definitiven Regelung auch mitzureden habe.
Aus diesen Gründen mass man der Abstimmung überdiesen Bambergerschen Antrag keine grosse Bedeutung bei.Bamberger selbst jedoch hatte das richtige Gefühl, dass es sichin solchen prinzipiellen Fragen darum handle, von vornherein