Aufsatz 
Ludwig Bamberger als Währungspolitiker / Karl Helfferich
Entstehung
Seite
52
Einzelbild herunterladen
 

Geldumlaufs ist, und dass die Frage der Erhaltung eines voll-wichtigen Münzumlaufs mit der Frage der Privatprägung garnichts zu thun hat.

Schliesslich gelang es Bamberger, einen Kompromiss herbei-zuführen. Die Regierung gestand zu, dass im Münzgesetz aus-drücklich das Recht der Privaten festgelegt würde, auf den-jenigen Münzstätten, die sich zur Ausprägung auf Reichsrechnungbereit erklärt hatten, Zwanzigmarkstücke für ihre Rechnung aus-prägen zu lassen, soweit diese Münzstätten nicht für das Reichbeschäftigt seien. Auf der andern Seite wurde die Festsetzungder Prägegebühr dem Reichskanzler und dem Bundesrat über-lassen und nur eine Maximalgebühr von 7 M. pro Pfund Fein-gold festgesetzt. Man Hess sich zu diesem Kompromiss herbei,obwohl die Maximalgebühr als viel zu hoch gegriffen angesehenwurde; denn man rechnete darauf, dass die Regierung selbstbald genug die Vorteile einer möglichst geringen Prägegebührerkennen werde. Vor allem aber hegte Bamberger die zuver-sichtliche Hoffnung, bei der Reform des Bankwesens die Frageder Versorgung des deutschen Umlaufs mit Gold auf die zweck-mässigste Weise regeln zu können.

Diese Erwartungen haben sich später gerechtfertigt. Durcheine Bekanntmachung des Reichskanzlers vom 8. Juni 1875, welchedie Prägung für private Rechnung freigab, wurde die Prägege-bühr für das Pfund Feingold statt auf das gesetzlich zulässigeMaximum von 7 M. auf nur 3 M. festgesetzt. Bei der Errich-tung der Reichsbank erhielt das ganze System eine höchstwertvolle Ergänzung, mit der wir uns später beschäftigenwerden.

Wenn die Münzreform infolge der gründlichen Mitarbeit desReichstags in vernünftigen Bahnen sich vorwärts bewegte undin dem Münzgesetz, das im Frühjar 1873 im Reichstag beratenwurde, ihrem gesetzlichen Abschluss entgegen ging, so musstees um so mehr auffallen, dass seitens der Regierung kein Schrittgethan wurde, welcher die längst als dringend notwendig aner-kannte Reform des Papierumlaufs und des Bankwesens geförderthätte. Es waren ja triftige Gründe, welche die Regierung ver-anlasst hatten, mit der Münzreform zu beginnen, aber wenn nichtder Zusammenhang zwischen der Reform der metallischen und