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der papiernen Umlaufsmittel völlig verloren gehen sollte, danndurfte man mit der letzteren nicht mehr lange zögern. Jede-weitere Aufschub musste, wie die Dinge im Jahre 1873 lagen,die Durchführung der Münzreform beeinträchtigen. Bei derstarken Vermehrung, welche damals der deutsche Geldumlaufdurch die fortgesetzten starken Goldprägungen erfuhr, erschieneine Einschränkung der Papierzirkulation dringend geboten, wennnicht schliesslich ein starker Abfluss von Gold nach dem Aus-land erfolgen sollte. Ferner hinderten jetzt die kleinen Scheine,welche bisher als Ersatz für die Goldzirkulation gedient hatten,die neuen Goldmünzen, sich im Verkehr einzubürgern, da dasPublikum an sie gewöhnt war und da die Staaten und dieBanken, welche sie ausgegeben hatten, ihr möglichstes thaten,um sie im Umlauf zu erhalten.
Man wusste, dass sich auch die massgebenden Personen inder Regierung diesen Gesichtspunkten nicht verschlossen, unddass die Verschleppung der Reform des Papierumlaufs ihrenGrund hauptsächlich in Meinungsverschiedenheiten zwischendem Reichskanzleramt und dem preussischen Finanzministeriumhatte.
Die wichtigsten einzelstaatlichen Regierungen hegten denWunsch, die Papiergeldfrage und Bankfrage gleichzeitig gelöst zusehen. In der Bankfrage nun war der wichtigste Punkt die Er-richtung einer Reichsbank. Bereits im Jahre 1872 hatteDelbrück die Reform des Bankwesens ernsthaft in Angriff ge-nommen, und Michaelis hatte damals einen Bankgesetzentwurfausgearbeitet, dessen Grundlage die Umwandlung der PreussischenBank in eine Reichsbank war. Der Entwurf trug bereits dieUnterschrift des Reichskanzlers; in letzter Stunde gelang esjedoch Camphausen, der sich mit dem Gedanken einer Reichs-bank aus partikularistischen und fiskalischen Gründen nicht be-freunden konnte, seine Einbringung zu verhindern. Da auf derandern Seite das Reichskanzleramt sich nicht entschliessen konnte,auf die Reichsbank zu verzichten, und da man ohne Bankreformnicht an die Reform des Staatspapiergeldes herantreten wollte,blieb die Frage des Papierumlaufs in der Schwebe.
Bamberger legte, wie wir wissen, speziell auf die Bank-reform und die Errichtung einer Reichsbank so grossen Wert,dass er am liebsten diesen Teil des Reformwerkes vor der Neu-