Aufsatz 
Ludwig Bamberger als Währungspolitiker / Karl Helfferich
Entstehung
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jedoch in diesem Punkte weit auseinander. Einige, Sachsen ander Spitze, erstrebten eine sofortige definitive Regelung derPapiergeldfrage, nach welcher das Landespapiergeld in etwasvermindertem Betrag durch ein Reichspapiergeld ersetzt werdensollte. Bayern und Hessen dagegen protestierten mit allemNachdruck dagegen, dass die Papiergeldfrage getrennt von derBankfrage behandelt werde; Bayern war für die Errichtung einerReichsbank, welcher als Gegenleistung für die ihr zu verleihen-den Privilegien die Verpflichtung auferlegt werden sollte, beider Einlösung des Staatspapiergeldes in irgend welcher Weisemitzuwirken. Eine Einigung im Bundesrat kam nicht zustand,und so musste sich die Reichsregierung damit begnügen, demReichstag bei der dritten Lesung mitzuteilen, dass der Bundes-rat den das Staatspapiergeld betreffenden Teil des Art. 18 nichtannehmen könne, dass er jedoch in Verhandlungen über dieseFrage begriffen sei.

Diese Erklärung wurde im Reichstag bei der Offenkundig-keit der im Bundesrat bestehenden Differenzen nicht als ge-nügend angesehen. Man musste fürchten, dass die Regelungdes Staatspapiergeldes durch diese Meinungsverschiedenheitenins Unabsehbare verschleppt werden könnten. Um dem vorzu-beugen, beantragte Bamberger, das Münzgesetz solange vonder Tagesordnung abzusetzen, bis die Regierung im stände sei,bestimmte Vorschläge hinsichtlich des Staatspapiergeldes zumachen. Der Antrag wurde angenommen.

Der Beschluss that seine Wirkung. Auf Grund eines vonSachsen vorgelegten Entwurfes stellte der Bundesrath ein Gesetzfest, welches in allen wesentlichen Punkten mit dem später er-lassenen Reichskassenschein-Gesetz übereinstimmte. Als aberdie endgiltige Abstimmung über dieses Gesetz vorgenommenwerden sollte, erklärte der bayrische Bevollmächtigte, auf seinemWiderspruch gegen die getrennte Behandlung der Papiergeld-und der Bankfrage unbedingt beharren zu müssen.

Es wäre leicht gewesen, Bayern zu überstimmen; aber jetztgriff der Reichskanzler ein. Bismarck war stets bemüht, dengrössern Mittelstaaten in Dingen, die er nicht für besonderswichtig hielt, nicht zu nahe zu treten. Seine Rücksichtnahmeauf die bayrischen Wünsche wurde dadurch verstärkt, dass fürden Herbst 1873 neue Wahlen zum Reichstag bevorstanden,