Aufsatz 
Ludwig Bamberger als Währungspolitiker / Karl Helfferich
Entstehung
Seite
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und Bismarck wollte vermeiden, dass die bayrischen Partikula-risten aus einer Majorisierung Bayerns in der PapiergeldfrageKapital schlagen könnten. Deshalb beschloss der Bundesratam 21. Juni unter Bismarcks Einwirkung, der in der ent-scheidenden Sitzung selbst den Vorsitz führte, die Abstimmungüber den sächsischen Entwurf auf unbestimmte Zeit zu ver-tagen.

Der Sessionsschluss des Reichstags war auf den 25. Junianberaumt, und deshalb war die dritte Lesung des Münzgesetzesauf Montag, 23. Juni auf die Tagesordnung gesetzt worden, ob-wohl vom Bundesrat noch keine Erklärung vorlag. Nach derAbstimmung vom 21. Juni musste die Reichsregierung mitleeren Händen vor dem Reichstag erscheinen. Die Gefahr,dass das Münzgesetz scheitern könnte, war also brennend.

Bismarck liess noch am Abend des 21. Juni Bamberger zusich rufen, um mit ihm die durch die Abstimmung im Bundes-rat entstandene Lage zu besprechen. Den Inhalt der Unter-redung gebe ich nach den Aufzeichnungen Bambergers wieder,die er mir vor einigen Jahren für meineGeschichte der deutschenGeldreform" zur Verfügung gestellt hat.

Der Kanzler war erregt und hielt Bamberger eine langeAnrede. Er sei im ganzen offiziellen Preussen der einzigedeutsch und reichsmässig gesinnte. Er wolle nicht, dass dieWahlen in Bayern unter Hinweisung auf eine MajorisierungBayerns in der Papiergeldfrage verschlechtert würden. Um zuverstehen, dass Bayern hier kein Unrecht geschehe, müsse manmehr Einsicht haben, als dem Wähler zuzutrauen sei. Er folgehierin den Angaben von Bambergers liberalen Kollegen ausBayern . Gerade dass das bayrische Papiergeld aus dem Kriegvon 1866 datiere, sei das Üble.Ich habe," sagte Bismarck ,im Jahre 1871 gewollt, man solle den süddeutschen Staatenihre Kontribution von 1866 aus den KriegsentschädigungsgeldernFrankreichs zurückgeben. Diesen Wunsch hätte man mir dochwohl erfüllen können! Ich hätte ja für Deutschland ebenso guteine halbe Milliarde weniger ausbedingen können. Und die200 Millionen von Paris , wer anders hat denn die dem Königgeradezu auf den Tisch gelegt, als ich! Aber damals, als ichdieses Ansinnen stellte, begann der König an die Erzählung zuglauben, dass es in meinem Kopfe nicht ganz richtig sei."