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„Ich stellte ihm nun die Frage," so heisst es in BambergersAufzeichnungen weiter, „welche der beiden Lösungen, den altenArtikel 18 oder die Substanz des sächsischen Vorschlages, ervorziehe. Aber er hatte sich offenbar weder mit dem einennoch mit dem andern vertraut gemacht. Jetzt erst merkte ich,worauf er hinaus wollte: auf das Unglaubliche, dass ich dasMünzgesetz in dieser Session unvollendet stehen lassen sollte.Dieser Gedanke war so absurd selbst für Bismarcks Reichs-politik, so zweckwidrig und geradezu unmöglich, dass ich miranfangs selbst nicht glauben wollte, richtig verstanden zu haben.
„Da sagte er kalt-verdriesslich:
„ „Sobald Sie's fertig machen wollen, ist es mir einer-lei, wie!""
Nun verstand ich erst, und ich kann mir diesen Gedanken-gang nicht anders erklären, als damit, dass er das unfertig ge-bliebene Münzgesetz als socium malorum zum unerledigtenMilitärgesetz dem Könige zu Füssen legen wollte. Ich erklärteihm nun rund heraus, daran sei nicht zu denken. Wollte ichmich auch zu einem solchen Unternehmen hergeben, so würdemeine Autorität in diesen Dingen nicht hinreichen, diesenselbstmörderischen Akt durchzusetzen. Alles, was ich damiterreichen könnte, wäre, mich selbst zu ruinieren. Ich sagte:„Sie mögen Ihre Politik darin haben, aber der Reichstag mussauch seine Politik der Selbsterhaltung haben, und schliesslichfällt diese doch mit der Ihrigen zusammen."
„Als ich am Ende der Besprechung fragte, ob er für keinesder beiden Projekte eine Präferenz habe, setzte ich, um ihn zuorientiren, dazu:
„ „Das eine wird Preussen unangenehm sein, das andreBayern . Was ziehen Sie vor?"
„Da sagte er lachend:
„„Nun, dann seien Sie lieber Preussen unangenehm!"" —
Es handelte sich nun darum, das möglichste zu thun, umdas Münzgesetz zu retten und gleichzeitig einige für den Bundes-rat annehmbare Bestimmungen über das Staatspapiergeld zutreffen. Der von einigen Doktrinären, welche die gänzlicheAbschaffung des Papiergeldes verlangten, vertretene Standpunktwar aussichtslos und hätte nicht nur die Papiergeld- und Bank-