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und der Kulturkampf beherrschten das parlamentarische Leben.Dazu kam noch, dass die zweite Beratung, welche für dasSchicksal des Gesetzes ausschlaggebend war, am letzten Sitzungs-tag vor Ostern begann und so durch die Osterferien in einerWeise auseinandergerissen wurde, welche die ohnehin schonstark abgelenkte Aufmerksamkeit völlig zerstörte.
Wesentlich diesen ungünstigen Verhältnissen ist es zuzu-schreiben, dass Bamberger dieses Mal trotz des Aufgebots seinerganzen eindringlichen Beredsamkeit nicht durchdrang. An Stelleseines Antrags würde ein Vermittlungsvorschlag angenommen,nach welchem die Vorschüsse an die Einzelstaaten, soweit esdie baren Bestände der Reichskasse gestatteten, inbarem Geld gewährt werden sollten, soweit sie es nicht ge-statteten, in Reichskassenscheinen.
So notwendig — wie sich später deutlich zeigte — einemöglichst grosse Verminderung des Papierumlaufs gewesenwäre, so haben es die Bestände der Reichskasse doch niemalsgestattet, auch nur den kleinsten Teil der Vorschüsse in Bargeldzu leisten. Trotz aller Anstrengungen Bambergers blieb es beieiner anfänglichen Ausgabe von 174 Millionen Mark in Reichs-kassenscheinen.
Ebensowenig gelang es Bamberger in einem andern Punkteinen Erfolg zu erzielen. Er sprach vergeblich gegen die Be-stimmungen, dass die Reichskassenscheine im privaten Verkehrkeinen gesetzlichen Kurs haben, und dass die Reichshauptkassezu ihrer Einlösung verpflichtet sein sollte. Solange sie freiwilligangenommen würden, brauche man freilich niemanden zur An-nahme zu zwingen; wenn aber einmal unglückliche Ereignisseden Reichskredit erschüttern sollten, dann werde man genötigtsein, nachträglich den Zwangskurs für die Reichskassenscheineeinzuführen. Die Einlösungspflicht für das Reich auszusprechen,erschien ihm direkt verwerflich, wenn man keinen Fonds dafürbereitstellen wolle. Die Einlösbarkeit sei in ruhigen Zeitenunnötig; aber sie müsse gerade dann versagen, wenn sie inkritischen Zeiten zur Aufrechterhaltung des Wertes der Reichs-kassenscheine notwendig werde.
Die Richtigkeit dieser Ausführungen lässt sich nicht be-zweifeln, aber die Ängstlichkeit gegenüber ajlen papiernenZahlungsmitteln, die später bei der Bankreform noch viel mehr