Aufsatz 
Ludwig Bamberger als Währungspolitiker / Karl Helfferich
Entstehung
Seite
73
Einzelbild herunterladen
 

73

liehe Anfeindung. Dagegen kam es zu lebhaften Erörterungenüber die Kontingentierung des ungedeckten Notenumlaufs. Bam-berger, welcher die Kontingentierung bereits in der ersten Lesungbekämpft hatte, als die Reichsbank noch nicht im Entwurf ent-halten war, widersetzte sich nun aufs Ausserste dem Gedanken,auch die Reichsbank einer derartigen mechanischen Beeinflussungzu unterwerfen. Mehr noch, als gegen den konkreten Vorschlagan sich, wendete er sich gegen den Geist, aus welchem herausdas Kontingentierungssystem selbst von ihm so nahe stehendenParteifreunden, wie Lasker, befürwortet wurde. Über diesenMeinungsstreit entnehme ich einem Brief, den mir Bambergergelegentlich einer Erörterung über das Kontingentierungssystemgeschrieben hat, folgende Stelle:

Die Entstehungsgeschichte der Notensteuer ist die: Ur-sprünglich schwebte Michaelis, der den Entwurf gemacht hatte,natürlich das Peel'sche System vor. Da er aber zu einsichtigwar, um dessen Gefahren zu übersehen, wollte er es nicht nach-ahmen. Andrerseits lastete die Erinnerung an den Missbrauch,welchen die kleinen Banken der Raubstaaten von der Noten-presse gemacht hatten, noch so auf den Ideen, dass die Besei-tigung jeder Schranke Schrecken erregte, besonders bei demersten Projekt, das keine Reichsbank schuf. So erfand Michaelissinnreich die Notensteuer. Ich war, wie Sie mit Recht konsta-tieren, dagegen, und wollte, wie bei der französischen Bank, dieNotengrenze resp. Diskontbewegung dem vernünftigen Selbst-erhaltungstrieb^ der Bankleitung überlassen. Aber die Tugend-bolde der Kommission, an deren Spitze Lasker stand und dieimj stillen Banken und Börsen als Räuberhöhlen ansahen, schlugensich auf die Seite von Michaelis. Wenn ich mich recht er-innere, war Dechend auf der meinigen. So wurde ich nachheftigem Kampf in der Kommission überstimmt. Ich war darüberso unwillig, dass ich anfangs verweigerte, die Berichterstattungzu übernehmen. Schliesslich liess ich mich bereden, weil ich imgrossen und ganzen doch das Institut nach meinen Ideenorganisiert sah. Es ist Schade, dass Sie das Protokoll der Kom-mission nicht zu Ihrer Verfügung haben. Sie würdenj manchesdaraus ersehen, was in der öffentlichen Verhandlung nicht mehrso scharf hervortrat.

In der Praxis ist die Sache durch die vernünftige Hand-