Aufsatz 
Ludwig Bamberger als Währungspolitiker / Karl Helfferich
Entstehung
Seite
74
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habung, die Dechend einführte, abgestumpft worden. Aber imPrinzip haben Sie ganz recht Als ich bei der Ausarbeitung desösterreichischen Bankgesetzes zu Rate gezogen wurde, ob mansich der Notensteuer fügen sollte, riet ich zu auf Grundunserer Erfahrung, des lieben Friedens willen darauf einzu-gehen. In dem österreichischen Bericht finden Sie das zitiert.

Es ist immer dieselbe misstrauische Unwissenheit inSachen von Handel und Verkehr, mit der man es zu thunhat."

Ebensowenig wie die Bemühungen Bambergers in derKommission hatten später bei der Plenarberatung die VersucheErfolg, wenigstens eine reichlichere Bemessung des Kontingentsder Reichsbank durchzusetzen.

Dagegen gelang es Bamberger, die Aufnahme eines Paragraphenvon besonderer Bedeutung zu erreichen, welcher ein ganz neuesElement in den Entwurf brachte. Auf seinen Antrag wurdedie Bestimmung eingefügt, welche die Reichsbank verpflichtet,Barrengold zum festen Satz von 139 2 M. pro Pfund fein gegenihre Noten umzutauschen. Erst durch diese Vorschrift gewanndie von Bamberger mit Recht für überaus wichtig angeseheneFunktion der Reichsbank als Vermittlerin zwischen Goldeinfuhrund Münzprägung einen greifbaren Ausdruck. Freilich wurdeauch dieser Antrag nicht ohne Widerspruch durchgesetzt. Beidem starken Misstrauen gegen die Banknoten überhaupt wollteman ungeprägtes Gold als Notendeckung nicht gelten lassen,ein Standpunkt, auf den neuerdings die bimetallistischen Gegnerder Reichsbank wieder zurückgekommen sind. Aufserdemherrschte vielfach gänzliche Unklarheit über die Bedeutung undTragweite des Bambergerschen Antrages. So machte sich derAbgeordnete Schröder-Lippstadt, einer der frühesten Vertreterdes Bimetallismus in Deutschland, über den Antrag mit folgen-den Worten lustig:

Die alten Parther haben einmal einen römischen sehr hab-süchtigen Triumvir namens Crassus dadurch getötet, dafs sieihm Gold in den Hals gössen. Wenn sie nicht mehr gehabthätten, als was jetzt meiner Ueberzeugung nach infolge diesesParagraphen in die deutsche Reichsbank fliefsen wird, so würdeCrassus heute noch leben."