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und London bildete sich im inneren deutschen Verkehr ein Agioauf Goldgeld.
Die öffentliche Meinung wurde durch diese Ereignisse förm-lich alarmiert. Die Kunde von der Goldausfuhr genügte, um,wie Bamberger sich damals ausdrückte, „unter einer wahrenSündflut von thörichten Deutungen alles zu begraben, wasirgend an korrekten Vorstellungen im Laufe dreier Jahre aufdie Beine gebracht worden war". Der Goldabfluss wurde ansich als etwas unerhörtes, als ein förmliches Nationalunglückhingestellt. Die Gegner der Münzreform nahmen Veranlassung,ihn als Folge des Ubergangs zur Goldwährung hinzustellen;die Anhänger des Schutzzollsystems machten die ungünstigeHandelsbilanz für den Goldabfluss verantwortlich; die Freundeder Goldwährung jammerten über das Scheitern des Währungs-wechsels. Die Verwirrung in den Köpfen wurde immer grösser, jelänger der Goldabfluss andauerte; sie drohte allmählich zu einerwirklichen Gefahr für die Durchführung der Münzreform zuwerden, zu einer grösseren Gefahr, als das ihr zu Grundeliegende Phänomen der Goldausfuhr an sich darstellte.
Um Aufklärung über die wahren Ursachen und die wahreBedeutung der sensationellen Erscheinung zu schaffen, entschlosssich Bamberger zur Herausgabe einer Schrift, die unter demTitel „Reichsgold. Studien über Währung und Wechsel"im Jahre 1875 erschien. „Als um die Zeit der Sommerhöhedieses Jahres," so schreibt er dort, „die deutsche MünzreformGegenstand einer beinahe verzweifelten Stimmung wurde, gabmir der Vorsatz, letztere zu bekämpfen, die Feder in die Hand."
Das „Reichsgold" ist das förmlich ergänzende Gegenstückzu der bereits ausführlich besprochenen Schrift über die „Zettel-bank". Wie dort die Grundbegriffe des Notenwesens in ge-meinverständlicher Weise auseinandergesetzt sind, so hier dieElemente der Währung, vor allem in ihren Beziehungen zumAusland. Die gleichen Vorzüge der Darstellungsweise, welcheder Schrift über die Zettelbank nachzurühmen sind, zeichnenauch das „Reichsgold" aus: vollendete Klarheit ohne jedebreite Weitschweifigkeit, reiche Belehrung und dabei immerinteressant und unterhaltend.
Bamberger zeigt im „Reichsgold" zunächst, dass der Gold-abfluss durch die Münzreform weder ermöglicht noch ver-