Aufsatz 
Ludwig Bamberger als Währungspolitiker / Karl Helfferich
Entstehung
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ursacht sei. Trotz der geringen Goldzirkulation, welche vorder Münzreform vorhanden war, müssen zeitweise grosse Gold-mengen ausser Landes gegangen sein. In den letzten hundertJahren vor der Münzreform waren von den verschiedenendeutschen Regierungen 540 Millionen Mark in verschiedenenSorten von Goldmünzen, die zur Zeit der Reform noch Kurshatten, ausgeprägt worden. Davon gelangten vor der Reform7 */ a Millionen zur Einziehung, so dass ein Prägeüberschuss von532 Ya Millionen verblieb. Bei der Ausserkurssetzung im Laufder Münzreform stellte sich heraus, dass von dieser Summe nurnoch 91 Millionen Mark vorhanden waren. Der Rest war ein-geschmolzen und exportiert worden. Die Ursache des Gold-abflusses sei ebenso wenig wie die Möglichkeit der Goldausfuhrin der Münzreform zu suchen, sondern einzig und allein in derSumme und Natur der sämtlichen Geschäftsbeziehungen, diezwischen Deutschland und dem Ausland schweben".

Wurde so der Nachweis erbracht, dass die Münzreformmit dem Abfluss von Gold, der die Gemüter so sehr erschreckte,nichts zu thun habe, so kam dazu die Darlegung, dass einGoldexport an sich durchaus nicht die Kalamität darstelle, fürdie er angesehen werde, dass vielmehr die Fähigkeit auszu-wandern die Grundbedingung für jede gute Münze sei. AllesGeschrei gegen die Goldausfuhr sei nichts als die Ausgeburtjener alten Verirrung, der gemäss es für Staatsweisheit galt,dem Handel seine Wege sowohl für seine Bezugsquellen wiefür seinen Absatz amtlich vorzuschreiben. Komme es dochganz auf das gleiche heraus, ob man dem Kaufmann verbiete,Waren im Auslande zu kaufen, oder ob man eine Münzver-fassung gebe, welche ihn verhindere, mit dem Gelde, das ereinnimmt, den Ausländer zu bezahlen.Wer einen Welthandelwill, der muss auch ein Weltgeld wollen. Wer will, dass derKaufmann in allen Weltteilen soll kaufen, der muss auch wollen,dass er überall soll zahlen können. Die notwendige Schluss-folge ist die, dass er sein Land mit einem Geld muss versehenwollen, das überall am leichtesten zu brauchen ist."

Die Untersuchung der Vorbedingungen der Brauchbarkeit desheimischen Geldes im Ausland führt dann zu einer Darstellung derMomente, auf welchen die Schwankungen der ausländischenWechselkurse beruhen, die nur dadurch auf den für die Sicher-