Aufsatz 
Ludwig Bamberger als Währungspolitiker / Karl Helfferich
Entstehung
Seite
96
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daraus schliessen, dass die Gestaltung der Produktion auch fürden Silberwert nicht in Betracht komme, dass auch die Steige-rung der Silbergewinnung nicht den Wert des Silbers im Ver-hältnis zum Gold habe herabdrücken können. Dieser angeblicheBeweis ist die Konsequenz der Anschauung, welche Silber undGold für gleich tauglich zu Geldzwecken ansieht und eineÜberlegenheit des Goldes nicht zugestehen will. Denn geradein der besseren Eignung des Goldes zu Geldzwecken für diemoderne Kulturwelt liegt der Grund dafür, dass eine Produk-tionssteigerung auf den Wert des Silbers ganz anders wirkenmusste als auf den Wert des Goldes. Mit Recht hob Bam-berger hervor,dass jede Vermehrung des Goldvorrats willigvom Verbrauch aufgenommen wird, weil derselbe mit steigenderZivilisation einen zunehmenden Bedarf nach diesem Materialempfindet: dass umgekehrt jeder Zuwachs von Silber demMarkte eine Verlegenheit bereitet, weil bei dem abnehmendenBedürfnis die Verwendung immer schwerer wird." In diesemSinn war für Bamberger auch die Zunahme der Silbergewinnungein auf die Silberentwertung hinwirkendes Moment. Aber erhat niemals verkannt, dass die eigentlich entscheidende Ursacheder Entwertung des Silbers in der Einschränkung der monetärenSilberverwendung lag: die Entwertung des weissen Metalls warfür ihn die Konsequenz der Entthronung dieses Weltherrschers.Nur dass er die allgemeine Einstellung der Silberprägung nichtals einen Willkürakt auffasste, der ebenso gut hätte unterbleibenkönnen, dass er deshalb nicht die das Silber degradierendeGesetzgebung als die letzte Ursache der Silberentwertungansah, mit der Konsequenz, dass eine leicht und willkürlichherbeizuführende Änderung der Gesetzgebung das Silber wiederrehabilitieren könne; für ihn war vielmehr die Gesetzgebung,welche das Silber entthronte, nur der unvermeidliche Ausflusseiner durch den wirtschaftlichen Kulturfortschritt gegebenenNotwendigkeit, die auf der höheren Tauglichkeit des Goldeszu Geldzwecken beruhte.