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X.
Die Unterbrechung der Münzreform.
Die Entwertung des Silbers, welche im Gefolge der w T äh-rungspolitischen Umwälzungen eintrat, erregte bald die Auf-merksamkeit der ganzen Kulturwelt. Zahlreiche Interessen, sonamentlich die mit dem Silberbergbau verbundenen, wurdendurch den auffallenden und für die meisten unerwarteten Vor-gang verletzt. Daneben erlitten die Inhaber von Wertpapieren,die auf Silbergeld •— z. B. österreichische Gulden — lauteten,Verluste, und Englands wirtschaftliche und finanzielle Be-ziehungen zu Indien, das bei der Silberwährung blieb, erfuhrenerhebliche Störungen.
Uberall, diesseits und jenseits des Ozeans, begann eine Be-wegung, welche bezweckte, das Silber wieder in seine altenRechte einzusetzen und seinen Preis dadurch wieder auf denalten Stand zu heben. Vor allem regte sich in Frankreich einelebhafte Agitation für die Wiederherstellung der Doppelwährung,und zwar auf internationaler Basis. Ihr Vorkämpfer war derfranzösisierte Italiener Cernuschi, der seine Person und seingrosses Vermögen ganz in den Dienst des „Bim etallismus"— auch dieses Wort ist seine Erfindung — stellte. In denVereinigten Staaten von Amerika schlössen sich die mächtigenInteressen der Silberproduzenten zusammen mit den Bestrebungender Infiationisten, deren eingestandenes Ziel die fortgesetzte Ver-mehrung und Wertverringerung der Umlaufsmittel war. Hiergelang es der Silberbewegung in der That, einige Erfolge zuerzielen. Nach langen parlamentarischen Kämpfen, die unent-schieden hin und her schwankten, wurde am 28. Februar 1878gegen das Veto des Präsidenten die sog. Blandbill Gesetz, welchedem Schatzamt die monatliche Ausprägung von 2—4 MillionenSilberdollars vorschrieb.
In Europa vermochte die bimetallistische Bewegung, dieCernuschi auch nach England und Deutschland zu übertragensuchte, keine ähnlichen Erfolge zu erzielen; ja sie vermochtenicht einmal in ihrem eignen Heimatlande, in Frankreich selbst,die völlige Einstellung der Silberprägung zu verhindern. Da-
Helfferich, Bamberger als Währungspolitiker. 7