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verhängnisvolle Wendung der deutschen Münzpolitik zu ver-hindern oder wenigstens um Klarheit über die Absichten desKanzlers zu schaffen.
Bamberger hat später selbst die Stellung, die er damalseinnahm, eingehend dargestellt. Er hielt eine öffentliche Be-sprechung der Frage nicht für opportun, weil er jede Heraus-forderung des Reichskanzlers vermeiden wollte. Deshalb lehnteer es ab, im Reichstag über die Einstellung der Silberverkäufeund die sich daran anknüpfenden Fragen zu interpellieren, auchals in der| Presse die Mitteilungen über eine beabsichtigteÄnderung der deutschen Münzverfassung immer zuversichtlicherauftraten.
Diese Haltung wurde jedoch bald unmöglich.
In der ersten Hälfte des Juni wurde aus London gemeldet,unter den dem Parlament vorgelegten Papieren befinde sicheine Note des englischen Gesandten in Berlin, Lord Odo Russell ,welche Deutschlands Übergang zur Doppelwährung in Aussichtstelle. In der That hatte die Note des Lord Russell , die vom5. Juni 1879 datiert war, folgenden Wortlaut: Die MitteilungBerliner Blätter, dass die deutsche Regierung entdeckt habe,dass sie sich durch die Silberverkäufe selbst schade, beruhe aufWahrheit. Der im Augenblick für den Verkauf verfügbareSilbervorrat werde auf 20 Millionen Mark = i Million £ ge-schätzt und werde sich während der Einstellung der Verkäufenoch vermehren. Lord Odo Russell fügte hinzu, dass dieFinanzleute in Deutschland allgemein der Ansicht seien, diedeutsche Regierung bereite die Einführung der Doppelwährung„wie in Frankreich " vor.
Diese Nachricht erregte überall gewaltiges Aufsehen, denndie Richtigkeit der Russell'schen Meldung schien allen Einge-weihten ausser Zweifel zu stehen.
Abermals drängten Bambergers parlamentarische Freundeauf eine Interpellation, und zwar, wie Bamberger in seinerReichstagsrede vom 19. Juni erzählte, mit folgender Begründung:
„Sie sagten: hier liegt eine Nachricht von Lord Odo Russell,dem englischen Botschafter in Berlin vor. Es giebt in Berlin auch einen englischen Generalkonsul (Bleichröder ). Dieser eng-lische Generalkonsul ist Mitglied des Ausschusses der Reichs-bank, und was liegt nun näher als zu denken, wenn Lord Odo