Aufsatz 
Ludwig Bamberger als Währungspolitiker / Karl Helfferich
Entstehung
Seite
103
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Russell seiner Regierung einen offiziellen Bericht über das, wasman in massgebenden finanziellen Kreisen über die Sache denkt,schickt, dass er sich erkundigt haben wird bei seinem General-konsul, welcher zugleich Mitglied des Ausschusses der Reichs-bank ist? und diese Vermutung wurde damit noch bestätigt,dass die Summen, welche noch vorrätig sein sollen an verfüg-barem Silber, nach dem Ermessen der Herrn, die darüber eineMeinung zu haben glauben, so ziemlich mit der Wahrheit über-einstimmend sind."

Unmittelbar nachdem die Note des Lord Russell in Berlin bekannt geworden war, am 13. Juni, fand eine kleine Besprechungderjenigen Reichstagsabgeordneten statt, die sich stets dieMünzreform besonders hatten angelegen sein lassen. Unterihnen war neben Bamberger vor allem auch der frühere MinisterDelbrück , welcher sich nach seinem Rücktritt hatte bewegenlassen, ein Reichstagsmandat anzunehmen.

Über den Verlauf der Besprechung erzählte Bamberger:

In dieser Privatberatung erklärte ich, dass ich nur zurStellung der Interpellation mich entschliessen könnte, wennvorher der Regierung Gelegenheit gegeben würde, sich überdieselbe zu erklären, und ich hatte die Mehrheit der Ansichtenfür mich; es war darüber Meinungsverschiedenheit, es warenandre da, welche glaubten, private Beruhigung würde zur Be-schwichtigung der öffentlichen Präokkupation nicht ausreichen, 1 aber die Mehrheit der acht oder zehn Mitglieder des Hauses,die sich mit dem Gegenstand beschäftigt hatten, waren meinerAnsicht, und es wurde Freitags (13. Juni) beschlossen, denHerrn Abgeordneten Delbrück als denjenigen, der das Worteventuell zu führen hätte, zu bitten, das Präsidium des Reichs-kanzleramtes zu benachrichtigen, es sei die Absicht, eine solcheInterpellation zu stellen, falls uns nicht Zusicherungen gegebenwürden, die sie für unsre Uberzeugung als entbehrlich erscheinenHessen. Der Herr Abgeordnete Delbrück übernahm die Mission.Am Sonnabend frug ich, ob er Antwort habe; er erklärte mir,der Herr Präsident des Reichskanzleramtes habe ihm gesagt,er hätte den Reichskanzler noch nicht sprechen können undvertage seine Antwort auf Montag. Am Montag erhielten wirBescheid durch den Herrn Abgeordneten Delbrück, dass ihmdie Antwort geworden wäre: es sei zwar die Interpellation nicht