Aufsatz 
Ludwig Bamberger als Währungspolitiker / Karl Helfferich
Entstehung
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gebüng heraufbeschworen worden; vielmehr verwahre ich michdahin, dass solche Verwirrungen dann höchst wahrscheinlichdem Umstand würden zuzuschreiben sein, dass man nicht konse-quent fortgefahren hat, die Münzreform durchzuführen." Be-sonders eingehend legte er dar, dass durch den bestehendenZustand die Diskontpolitik der Reichsbank verfälscht werde, dadas Silbergeld in ihrem Barvorrat einen ungebührlich grossenPlatz einnehme, während ihr Goldvorrat, der allein für denWeltverkehr in Betracht komme, kleiner sei als bei irgend einerandern Bank von ähnlichen Dimensionen. Dem wurde nunfreilich damals noch von seiten der Regierung entgegen gehalten,dass die Reichsbank mit ihrer Lage zufrieden sei und ihrenGoldvorrat zu schützen wisse.

Bamberger sah davon ab, den Antrag auf Wiederaufnahmeder Silberverkäufe zu stellen, zu welchem die Erklärung desReichsschatzsekretärs förmlich herausforderte. Mit Recht führteer später aus,*) eine solche Aufforderung sei eine förmlicheUmkehrung der Rollen gewesen.Wenn die Exekution einerMassregel nach dem Sinne der Gesetzgebung und dem bishereingehaltenen Geschäftsgang so selbstverständlich ist, wie dieDurchführung der Münzreform, so könnte eine Regierung aufden Gedanken, diese Aufgabe fallen zu lassen, nur dann kommen,falls ein Zuruf des Reichstags sie plötzlich irre machte. Indemsie mit einem male ohne einen solchen Zuruf nahe am Zielstehen bleibt, sich umschaut und nicht weiter gehen zu wollenerklärt, wenn man ihr nicht den Auftrag erneuere, schafft sieein ganz abnormes Verhältnis und eine nie dagewesene Ver-legenheit. Sie schiebt in einer schwierigen wirtschaftlichenFrage dem Reichstag eine Initiative zu, die sonst dieser Körper-schaft nicht eingeräumt zu werden pflegt und für den beson-deren Fall noch weniger als im allgemeinen der Natur derSache entspricht."

Abgesehen von diesen theoretischen Gründen sprach einsehr gewichtiger praktischer Grund gegen die Stellung einesdie volle Durchführung der Münzreform verlangenden Antrags:

*) Die Reichstagsverhandlungen über Münzreform und Bankwesen (24. und25. Februar 1880), herausgegeben und eingeleitet von Ludwig Bamberger .Berlin 1880.