Aufsatz 
Ludwig Bamberger als Währungspolitiker / Karl Helfferich
Entstehung
Seite
121
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bei der ausgesprochenen Absicht der Regierung, von weiterenSilberverkäufen abzusehen, hätte ein solcher Antrag bei der da-maligen Zusammensetzung des Reichstags keine Aussicht gehabt,angenommen zu werden.

So blieb vorläufig alles auf dem alten Fleck, nur dass manjetzt wusste, die Regierung beabsichtige ebensowenig einenSchritt rückwärts, wie einen Schritt vorwärts zu machen.

Dieser Eindruck erfuhr bald eine Befestigung durch zwei Um-stände.

Wie Bamberger in einem Brief vom 19. April 1880 anSoetbeer berichten konnte, beschloss damals der Bundesrat, überdie an ihn gerichteten Petitionen gegen die Goldwährung zurTagesordnung überzugehen,in Erwägung, dass an der be-stehenden Münzverfassung nicht gerüttelt werden solle".

Ferner wurde damals ein Gesetzentwurf ausgearbeiteter ging dem Reichstag am 15. April 1880 zu, nach welchemdas im Münzgesetz von 1873 auf IO Mark pro Kopf der Be-völkerung festgesetzte Maximum der Ausgabe von Reichssilber-münzen auf 12 Mark erhöht werden sollte. Die dadurch zu er-möglichende Vermehrung der Silberprägungen sollte nach denMotiven in erster Linie dazu verwendet werden, den Rest vonSilberbarren, der bei der Einstellung der Verkäufe in den Händendes Reichs geblieben war und nun zinslos dalag es handeltesich um 340000 Pfund fein, in Reichssilbermünzen zu ver-wandeln. Damit war nach der einen Seite hin ebensosehr derendgiltige Verzicht auf weitere Verkäufe ausgesprochen, wienach der andern Seite hin der Verzicht auf einen Schritt in derRichtung auf die Doppelwährung. Die Regierung wollte sichin dem zum Definitivum gewordenen Ubergangszustand häuslicheinrichten.

Eben deshalb fand der Gesetzentwurf in keinem der beidenfeindlichen Lager eine freundliche Aufnahme.

Die Bimetallisten, welche die Wiederherstellung eines voll-wertigen Silberkurantgeldes wünschten, widersetzten sich prin-zipiell jeder Vermehrung der unterwertigen Silberscheidemünzen.

Die Anhänger der Goldwährung vermissten den Nachweis,dass ein Verkehrsbedürfnis nach mehr Reichssilbermünzen vor-liege. Vor allem aber lag ihnen daran, eine Vermehrung desohnedies schon vorhandenen Übermasses von Silbermünzen