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wie sie sich aus der Ausprägung des Barrenrestes hätte ergebenmüssen, zu verhindern.
Schon bevor der Entwurf dem Reichstag vorgelegt wurde,am 5- April 1880, schrieb Bamberger an Soetbeer:
„Ich werde auch bei mangelhaftem Nachweis des Bedürf-nisses nicht gegen das Gesetz stimmen, weil die Thaler dochnoch eher als Zweimarkstücke wie als Dreimarkstücke sich demVerkehr assimilieren können; wenn aber die 300000 PfundBarren umgeprägt werden sollen, stimme ich gegen."
Am 19. April, nachdem die Vorlage beim Reichstag ein-gebracht worden war, schrieb Bamberger:
„Wie Sie daraus (aus der Vorlage) ersehen, beabsichtigt dieRegierung nicht nur die 300000 Pfund Silberbarren umzu-prägen, sondern schliesst nicht einmal den Fall aus, dass fürdas weitere Bedürfnis neues Silber angekauft werde, statt alteThaler zu verwenden. Ich bin nun der Ansicht, das Gesetz nurmit dem von mir bereits früher erwähnten und auch von Ihnengebilligten Vorbehalte anzunehmen, und will nicht die Verant-wortlichkeit dafür tragen, dass durch Hinzuziehung neuer Silber-massen eine wirkliche Umkehr oder auch nur eine Gefahr fürden Goldbestand herbeigeführt werde. Vielleicht finde ich fürmeine Anschauung eine Majorität — wo nicht, so wasche ichmir die Hände in Unschuld."
Die Münznovelle, welche zur Zeit (Anfang März 1900) demReichstag vorliegt, erinnert darin an den Gesetzentwurf von 1880,dass auch sie eine Erhöhung des Maximums der Ausgabe von Reichs-silbermünzen vorschlägt. Von bimetallistischer Seite ist deshalb derVersuch gemacht worden, die laue Haltung, welche Bambergergegenüber dem Entwurf von 1880 einnahm, gegen die jetzigeMünznovelle anzuführen. Bamberger hat zwar auch bei denReichstagsverhandlungen von 1880 keine Unklarheit darüber be-stehen lassen, in welchem Punkte er Bedenken gegen die Vor-lage hegte. Aus den oben angeführten Briefen ergibt sichjedoch seine Stellungnahme ganz besonders deutlich: sein Wider-spruch richtete sich einzig und allein gegen eine Vermehrungdes Silberumlaufs, während er an und für sich gegen eine Um-prägung von Thalern in Reichssilbermünzen so wenig einzu-wenden hatte, dass er sogar bei mangelhaftem Nachweis desBedürfnisses für eine solche Umprägung einzutreten bereit war.