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Ausgewählte Reden und Aufsätze über Geld- und Bankwesen / von Ludwig Bamberger. Im Auftr. ... hrsg. von Karl Helfferich
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Ihnen eben glaube nachgewiesen zu haben, auf Grund deralleinigen Goldwährung.

Nun, meine Herren, wenn ich bis dahin mit der Vorlageder verbündeten Regierungen vollständig einig gehe, so kommenwir jetzt auf den wichtigsten Punkt, der eigentlich das Nach-denken aller Sachverständigen in diesem Programme bis jetztam meisten in Anspruch genommen hat, und der, wenn wirüberhaupt mit einer gewissen Bangigkeit der Zukunft der heutezu begründenden Erneuerung entgegensehen, die erste Stelle inunseren Präokkupationen einnehmen muss, das ist die Er-setzung des bei uns umlaufenden Silbers durch Gold.Man hat gesagt, wir sind jetzt in einer sehr glücklichen Lage, dawir ja so viel Entschädigung von Frankreich zu bekommen haben,da wir zum grossen Teil vermutlich auch in Gold ausbezahltwerden (hier erlaube ich mir aber eine Paranthese), und alle Be-denken, die wir früher hatten, woher das Gold nehmen, sind jetztbeseitigt. Meine Herren, ich bin darin nicht so gewiss; dieSchwierigkeit war nie, zu fragen, woher das Gold nehmen,sondern wohin mit dem Silber? wo ist das Loch, in daswir die 300 oder 400 Millionen Silber, die wir los werdenmüssen, hineinwerfen, ohne sie gerade ins Wasser zu werfen?Denn das ist doch nicht unsere Absicht, so reich sind wirdurch die fünf Milliarden nicht geworden. Hier, meine Herren,beginnt die Schwierigkeit des Problems. Zunächst können wirhier nichts thun, als den Vorschriften folgen, welche uns Er-fahrung und Grundsätze an die Hand gegeben haben: sie be-weisen uns vor allen Dingen, dass die Cirkulation eines jedenLandes notwendig beschränkt ist auf das Bedürfnis, dass jedeabnorme Vermehrung oder Verminderung dieser Cirkulationihre Strafe nach sich zieht, dass wir, wenn wir die Cirkulationüber die natürlichen Bedürfnisse unseres Landes hinaus ver-mehren, der Gefahr ausgesetzt sind, einen Teil unserer Münzenabfliessen zu sehen. Nun ist aber im Augenblick, gerade weilwir ja die Bewertung des Goldes durch unsere Reform unddurch unsere Anerkennung steigern, die eingeborene natür-liche Tendenz vorhanden, dass, wenn eine von beiden Münz-sorten abfliessen soll, notwendigerweise das Gold eher abfliessenwird als das Silber, und die Frage, wie nun zu verfahren