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Ausgewählte Reden und Aufsätze über Geld- und Bankwesen / von Ludwig Bamberger. Im Auftr. ... hrsg. von Karl Helfferich
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dem Verhältnis von 15 1 / 2 zu 1 entspricht. Natürlich glaubeich nicht an einen solchen Grund, sondern ich vermute, dässdas zunehmende Steigen des Silbers daher kommt, dass diefranzösische Regierung Silber ankauft, um Münzen prägen zulassen. Meine Herren, die heutige Lage stimmt überein mitdem Durchschnittsverhältnis eines ganzen Jahrhunderts, siestimmt überein mit dem Niveau, in welches Silber zu Goldimmer gekommen ist, nachdem es bald durch Entdeckung vonMinen, bald durch den amerikanischen Krieg und die Baumwoll-Konjunktur oder andere Ursachen gestört war; und ich glaube,die Reichsregierung kann es vollständig rechtfertigen, dass siedieses Verhältnis von 15 1 / festgesetzt hat. Es wird ihr viel-leicht noch vorgeschlagen werden, ein klein wenig daran zuändern, um zu runderen Zahlen zu kommen; 15.55 würde einerundere Abmessung der einzelnen Goldstücke geben, indem siedann ein Gewicht von 140 per 500 Gramm, 70 per 500 Grammu. s. w. hätten. Allein ich glaube, dass gegenüber der Basis,die wir in der Vorlage haben, und gegenüber dem Gebot, ander Vorlage so wenig als möglich zu ändern, um sie destoenergischer durchzuführen, es auch hier geraten ist, an dieserBasis nicht zu rütteln.

Nun aber, meine Herren, bleibt die andere Frage: wiesollen wir es mit dem halten, der zufällig in dem Besitz vonSilber sein wird in dem Moment, wo die Reichsregierung pro-klamieren wird, nicht länger soll in Silberkurant bezahlt werden,sondern dieses muss binnen jetzt und so und so viel Tagenoder Monaten gegen neue Goldmünzen ausgetauscht werden?Uberlassen wir ihm die Notwendigkeit, diese Silbermünzen als-dann einzuschmelzen denn als Münzen kann er sie nichtausführen und auf dem Geldmarkt zu verkaufen, so setzenwir ihn allerdings der Gefahr aus, dass er einen nicht zu be-rechnenden Nachteil dabei erleidet und er wird sagen können:dadurch, dass ihr heute verfügt, Silber soll nicht mehr gelten,habt ihr es entwertet, und ich soll also den Verlust tragen ?Aus diesem Grunde hat also die Reichsregierung ganz richtiggehandelt, indem sie die Frage der Einziehung der Silbermünzenzwar noch nicht ausdrücklich auf die Schultern des Reichs ge-nommen, aber, wenn ich richtig verstanden, die Absicht hat,dereinst die Silbermünze einzuziehen auf Kosten des Reichs und

Bamberg er, Reden u. Aufsätze. 14