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Ausgewählte Reden und Aufsätze über Geld- und Bankwesen / von Ludwig Bamberger. Im Auftr. ... hrsg. von Karl Helfferich
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Reichsgoldwährung proklamieren. Und nun, meine Herren,frage ich, in welchem Zustande werden wir dann sein? Wasist die wissenschaftliche Definition dieses Reichsgoldsystems fEs ist die, dass wir silberne Thaler haben, welche an Stelle derGoldmünzen vikarieren. Wir werden noch mit Thalern undBruchteilen in Silber grosse Summen bezahlen. Es wird aberdarunter verstanden sein: das Silber wird in Zukunft, sobald esmöglich ist, in Gold umgewandelt, wir betrachten es einstweilenals Gold und es ist gewissermassen die Wiederbelebung dessen,was man da, wo die Pistolen herrschten, den Thaler Goldnannte; nämlich der Thaler ist das Bruchstück einer nochnicht zur vollen Geltung gekommenen Goldmünze. Nun,meine Herren, habe ich gegen diesen Ubergangszustand auchnichts einzuwenden, um so weniger, als er seiner Natur nachunvermeidlich ist; das einzige nur, was ich hier beanstande, istdie Beruhigung, mit der dieser Zustand aufzufassen ist. Ichmöchte hier nichts aussprechen, was irgendwie gedeutet werdenkönnte als eine Missbilligung oder ein Misstrauen gegen dieVerfasser der gegenwärtigen Münzvorlage; ich habe das vollsteZutrauen zu ihnen, dass sie die Massnahmen in der geeignetenWeise mit allem Eifer, mit aller Gewissenhaftigkeit, mit deraus ihrem Amt fliessenden Verantwortlichkeit durchzuführenentschlossen sind; aber eben deswegen ersuche ich sie, mirauch nicht zu verübeln, wenn ich ohne Anspruch auf objektiveBegründetheit, sondern rein als meinen subjektiven Eindruckdie Thatsache erkläre, dass bei Durchlesung des Textes derVorlage sowohl als der Motive der Gedanke sich wiederholtund immer wiederholt, trotzdem ich ihn abwies, mir aufdrängte:in dem Moment, wo dieser Thaler etabliert sein wird unterdem Namen Reichsgoldwährung, wird im Herzen der preussischenRegierung wenigstens etwas sprechen, wie mit den Wortenzum Augenblick sagend:Verweile doch, du bist so schön!"(Heiterkeit.)

Ich könnte Ihnen eine Reihe von Stellen aus den Motivenvorlesen, aus welchen mir diese Überzeugung sich aufdrängt.Es ist wie unbewusst, dass vielleicht den Verfertigern der Vor-lage der Gedanke sich aufdrängte, dass wir doch in einen sehrleidlichen Zustand kommen, wenn wir in der bewussten Situationangelangt sind, und es schwitzt an so verschiedenen Stellen