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Ausgewählte Reden und Aufsätze über Geld- und Bankwesen / von Ludwig Bamberger. Im Auftr. ... hrsg. von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
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geändert, als sei er jetzt Willens, das Gold zurückzuhalten undim gegebenen Momente das aufgespeicherte herauszugeben.Auch dieser Plan wäre meines Erachtens kein durchaus an-fechtbarer, ich wünschte nur in diesem Punkte, weil mir Zweifelgekommen sind, und nicht mir allein, eine Aufklärung zu haben.Er hat seine Operation oder seine Anschauung über denkünftigen Gang der Dinge auf die verhältnismässig geringeSumme des cirkulierenden Silbermetalls begründet, er habedieselbe auf 300 Millionen geschätzt, ich möchte beinahe glauben,nicht dermalen, sondern er meinte damit auch die Summe, dievor der Münzreform in Deutschland cirkuliert hat. Sollte diesesseine Ansicht sein, so müsste ich mir schon Vorbehalte machen,denn ich glaube, der Silberbestand der Banken und des preussischenKriegsschatzes allein würde schon nachweisen, dass vor 1870doch inklusive der Cirkulation mehr als 300 Millionen Silberdagewesen sind. Allein ich entsinne mich, der Herr Finanz-minister verklausierte sich, bestimmte Wahrheiten und Zifferngebe es in diesem Dinge nicht, und dadurch ist er eben un-angreifbar geworden. Ich will mich beschränken, zu sagen:ist er auch nur der Meinung, dass wir jetzt nur 300 MillionenSilber gegenüberstehen, so wäre mir dadurch eine grosse Be-ruhigung gegeben für die Durchführung unserer Münzreform,dann brauchten wir höchstens mit 200 Millionen gerüstet zusein, um die Operation zu machen. Er hat es ja selbst zumöfteren wiederholt: unser Verkehr würde mehr Silber festhalten,als man annehmen möchte, er wird sich nicht allein auf Gold-und Scheidemünze beschränken, es wird eine gewisse AnzahlSilber zum Dienst in Kurant verbraucht werden. Ist das derFall, so können wir mit sehr grosser Ruhe und beinahe mitgekreuzten Armen dem zukünftigen Gange der Dinge entgegen-sehen; denn meiner Ansicht nach hat ja das Reich für garnichts anderes zu sorgen, als dafür, dass es jedem, der ihm20 Mark in Kurantsilber bringt, Gold dafür geben kann. Wiees die Banken anfangen, um ihre Noten in Gold einzulösen,meine Herren, das ist ihre Sache. Wir haben uns durchausnicht anheischig gemacht, ihnen Gold zu verschaffen, dafür sindsie Banken, dass sie selbst dieses Geschäft besorgen müssen.Wir sind ihnen nur insofern verantwortlich, als sie Silberkuranthaben und sie von uns verlangen können, dass wir dasselbe