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Ausgewählte Reden und Aufsätze über Geld- und Bankwesen / von Ludwig Bamberger. Im Auftr. ... hrsg. von Karl Helfferich
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Schweiz erklärte sogar, von der ihr eingeräumten Berechtigungkeinen Gebrauch zu machen, that auch demgemäss im Jahre1875, nachdem sie sich im Jahre vorher, 1874, von ihrem gutenVorsatz durch irgend welche besondere Verführung hatte ab-bringen lassen. Was wird geschehen, wenn der Status quonicht mehr zu halten ist, wenn vom Silber zum Gold wirdübergegangen werden müssen ? Frankreich, Belgien, die Schweiz werden ihre Silberstücke mit entsprechenden Opfern gegenGold einlösen, aber wenn Italien, bis dahin noch immer zahlungs-unfähig, nicht im stände ist, das Gleiche zu leisten, wer wirddie Kosten zahlen? was werden die Staaten thun, deren Um-lauf, deren Banken (nachdem sie sich eine Zeitlang aber ver-gebens dagegen gewehrt) mit den silbernen Bildnissen ViktorEmanuels überfüllt sind?

Fasst man dergestalt den wahren, sachlichen Verlauf nachvergangener und künftiger Seite hin ins Auge, so braucht eseigentlich weiter keiner Auseinandersetzung über den Zerfalldes Systems, welches zu dergleichen widersinniger und gemeinschädlicher Wirtschaft herhalten konnte, und über die morscheGrundlage desselben.

Das Jahr 1874 lief zu Ende, ohne den Hoffnungen derSilberlegitimisten etwas anderes als wachsende Enttäuschungzu bereiten. Der Preis des Metalls fiel, die Sorge der davonBetroffenen stieg. Nur die offizielle französische Welt fand,dass die Lage nichts zu wünschen übrig lasse und alles ambesten bleibe, wie es sei. Dem gegenüber erneuerten bei demWiederzusammentreten der Konferenz im Jahre 1875 die Re-präsentanten der Schweiz den Ausdruck ihrer Besorgnis; wennman auch an dem vorläufigen Abkommen festhalten wolle, sosolle man wenigstens die Maximalziffern der Ausprägungslicenzfür Silber namhaft herabsetzen. Italien leugnete nicht, dass derVorschlag innerlich wohl begründet sei, wollte aber die An-wendung der richtigen Maxime auf spätere Zeiten verschobenwissen. Vorerst hatte seine Bank noch einen bedeutendenSilbervorrat, den auf Kosten der Gemeinschaft loszuwerden,ihr sehr angenehm sein musste, und diesem Umstände zu liebward endlich beschlossen, Italien statt der früher bewilligten40 nunmehr für 1875 50 Millionen zuzugestehen; und da, wasdem einen recht, dem anderen billig, so wurde das Gesamt-