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Ausgewählte Reden und Aufsätze über Geld- und Bankwesen / von Ludwig Bamberger. Im Auftr. ... hrsg. von Karl Helfferich
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österreichischer Patriotismus hervorgehoben wird. Bei allerAnerkennung nämlich, die ich seiner Untersuchung gerne zolle,kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass hier einestattliche Rede pro domo austriaca gehalten wird, welche dieWelt zur Ansicht bekehren soll, dass das Heil einer gutenMünzpolitik nur in der sogenannten Doppelwährung, in demfriedlichen und fest geregelten Nebeneinander von Silber undGold zu finden sei; und als der Weg des Heils wird die mone-täre Völkerverbrüderung empfohlen, welche neuester Zeit einwunderlicher Heiliger*) von Paris aus mit der unschuldvollenÜberzeugungen eigenen Emphase allen Nationen der Erde inallen Zungen predigt. An sich beruht zwar der Gedanke, dassein finanzschwacher Staat zu gesunder Münzverfassung eher ge-langen könne, wenn er nach Silber- oder Doppelwährung, alswenn er nach Gold hinsteuert, auf Selbsttäuschung; aber eslässt sich doch nachfühlen, dass die schönselige Quacksalbereiweltumspannender Münzkonventionen für solche Staaten, welchean finanziellen Schwächezuständen leiden, etwas Verlockendes hat.

Nachdem unser Verfasser die Fülle seines Wissens und denReichtum seiner Gedanken - Kombinationen erschöpft hat, ge-schieht es auch ihm, dass er bei der schliesslichen Nutzanwen-dung nur die alten Irrtümer in neuer Form zu Tage fördert.Was ihn beschäftigte, fesselte, anregte, war offenbar die geo-logische Plypothese. Nachdem er sie mit allem Aufwand vonGelehrsamkeit und Geist entwickelt, nachdem er alle Höhenund Tiefen der fünf Weltteile durchwandert was Wunder,dass die vielbetretene Heerstrasse den vielleicht etwas Ermüdetenlockt, um rasch zum Ziel zu kommen! Schon die äussere Öko-nomie des Buches trägt die unverkennbare Spur dieser zwie-spältigen Sachbehandlung. Auf kaum dreissig Seiten am Schlüsse,zu denen allenfalls noch siebenzig im Eingang, welche allge-meineren Betrachtungen gewidmet sind, mit gerechnet werdenkönnten, werden die inhaltschweren Konklusionen gezogen.Diesen höchstens 100 Seiten, in welchen die eigentliche Münz-frage behandelt ist, stehen 270 gegenüber, die sich mit dergeologischen und bergmännischen beschäftigen. Aber um sobesser! Die, welche nützliche Belehrung suchen, haben ent-

*) Cernuschi.