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Getreides für Rechnung des Reichs" verhandelt. Gegen Schlussder Debatten nahm Herr von Bennigsen das Wort, um denAntrag in einer stattlichen und wuchtigen Rede zu bekämpfen.Er begann mit der Erklärung, dass er und die Gesamtheitseiner Freunde den Antrag dem Gemeinwohl für verderblicherachteten, und setzte hinzu, beim ersten Auftauchen diesesVorschlags hätten böse Spötter verbreitet, derselbe sei nur einschlechter Scherz, welcher den Konservativen aufgeladen würde;leider habe sich die Sache als ernst herausgestellt. Im letztenTeile seiner Rede sprach er die, seitdem unter die „geflügelten"aufgenommenen Worte:
„Bis an diese Höhe, ich möchte sagen, der Gemein-gefährlichkeit, hat noch keine einzige der (agrarischen)Forderungen herangereicht." (Lebhafter Beifall linksund in der Mitte.)
Darauf folgte noch eine Mahnung, das Gefährliche solcher Agi-tationsweise zu beherzigen und „einer Handvoll von Fanatikern"die Führung zu entwinden. Nach einigen in demselben Sinngehaltenen und nicht nur von links, sondern auch von derMitte der Versammlung eifrigst mit Beifall begleiteten Wen-dungen schloss der Redner damit, dass er die bevorstehendeAblehnung seitens einer grossen Mehrheit des Reichstags alsdie Zurückweisung wüster Agitation für ein Glück erklärte.
Die Erinnerung an diesen Vorgang drängt sich ganz natür-lich auf in dem Augenblick, wo an die Stelle des AntragsKanitz notorischer Weise der Antrag Friedberg, von Kardorff,Lieber, von Mirbach getreten ist. Weil der Antrag auf dasGetreidemonopol doch jetzt noch nicht ganz so viel Aussichtbei der Regierung und im Hause zeigt, als es eine Weile nachdem Sturz des Ministeriums Caprivi seinen Urhebern geschienenhatte, haben dieselben zum Ersatz den Antrag auf Einberufungeiner internationalen Währungskonferenz eingeschoben. Gegendie Folgerichtigkeit dieser Substitution ist nichts einzuwenden.In allen hauptsächlichen Eigenschaften, die Herr von Bennigsendem Antrag Kanitz nachgerühmt hat, kann sich der AntragFriedberg und Genossen getrost dem ersteren an die Seitestellen, wenn schon Herr von Bennigsen ihn nun auch selbstmit unterschrieben hat. Ja, man kann sogar ruhig sagen, dass