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wenn der Antrag Friedberg diejenigen Ergebnisse zeitigen sollte,welche seinen Urhebern vorschweben, er an Gemeinschädlich-keit den Antrag Kanitz wohl überbieten würde. Das Getreide-monopol könnte im ersten Hungerjahr wieder abgeschafft werden.Wie man aus künstlich geschaffenen Währungswirren heraus-kommen kann, ist eines der schwersten Probleme der praktischenFinanzpolitik. Die gegenwärtige Lage der Vereinigten Staaten liefert dazu einen der sprechendsten Belege. Auch darin über-bietet der Währungsantrag den Monopolantrag, dass der letztereauf einem graden, einfachen Weg seinen Zweck erreicht, währendder andere von dunklen Vorstellungen ausgeht, deren Ziel zwarmehr Unheil stiften, aber die daran geknüpften Hoffnungen ohneZweifel enttäuschen würde. Wenn doch gewissen Kategorienvon Landwirten durch ein Geldopfer auf Kosten der Gesamt-heit beigesprungen werden soll, ist es noch besser, durch sicherwirkende hohe Preise die Mittel zur Auszahlung der verlangtenMillionen jedes Jahr einzukassieren, als durch wüste Verwirrungund Entwertung des gesamten Geldbestandes ihnen lediglichAussicht auf ein Fischen im Trüben zu eröffnen.
Die logischen Vorzüge des Antrags Kanitz bereiten aberallerdings demselben ein Hindernis, während die logischen Fehlerdes Antrags Friedberg letzterem einen Vorsprung geben. Wennder Antrag Kanitz vom Reichstag angenommen und von derRegierung gutgeheissen würde, so könnte und müsste er sofortzur Ausführung gebracht werden. Wenn der Antrag Friedberg,was beim Erscheinen dieser Nummer wohl schon geschehen ist,mit Mehrheit im Reichstag angenommen und, von der Regie-rung gutgeheissen wird, so bleiben bis zu dem Umsturz unsererWährungsverfassung noch eine lange Reihe von gewaltigenSchwierigkeiten zu überwinden, deren endliche Lösung höchstunwahrscheinlich ist.
Aus diesem Grunde ist es doch gut, dass vorerst an Stelledes Antrags Kanitz der Antrag Friedberg eingebracht wordenist. An Leichtherzigkeit und mittelbarer Gemeingefährlichkeitüberbietet er zwar den von Kanitz, aber an unmittelbarer Aus-führbarkeit steht er hinter ihm zurück. Sein nächstes Unheilkann er nur durch die Unsicherheit stiften, die er im Inland inalle grossen und kleinen Geschäfts- und Vermögensangelegen-heiten hinein zu tragen und im Auslande über die Wirtschaft-