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Ausgewählte Reden und Aufsätze über Geld- und Bankwesen / von Ludwig Bamberger. Im Auftr. ... hrsg. von Karl Helfferich
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liehen Grundlagen Deutschlands zu verbreiten geeignet ist. DemAntrag Kanitz hat, wie heute die Dinge im Reiche liegenvielleicht nur das Hindernis der abgeschlossenen Handelsverträgeim Wege gestanden. Die ernsthaften Erwägungen, deren ihnverschiedene Autoritäten der jetzigen Reichsregierung und dieoffiziöse Presse würdig befunden, lassen dem Gedanken Raum,dass er vielleicht sonst seiner Verwirklichung schon näher ge-rückt wäre. Jedenfalls wie hoch hat er sich bereits überdas Niveau erhoben, das ihm Herr von Bennigsen damals an-wies ! Er meinte, die Ablehnung mit imposanter Mehrheitwürde ein Glück sein, weil sie den Antrag und seine Erfinderin ihr verhängnisvolles Nichts hinabstürzen müsste. Der An-trag Kanitz wurde mit 158 Stimmen gegen 46 abgelehnt. Hates ihm und seinen Anhängern geschadet? Wenn er heutewieder eingebracht würde, hätte er wohl von vornherein etwahundert Unterschriften, und darunter wohl ein Dutzend aus dernationalliberalen Fraktion. Herr von Bennigsen hatte sich aufden Nachweis der Absurdität durch die erste Abstimmung ver-lassen. Welch eine Illusion! Den substituierten Antrag unter-stützte er bereits in eigener Person.

Als Graf Caprivi, um dem Ansturm gegen die Handels-verträge ein Opfer zu schlachten, sich auf die Silberkommissioneinliess, wurde ihm das von unserer Seite als eine nutzloseKonzession verdacht, einfach aus dem Grunde, weil es bei derAgitation der Silberleute sich doch um Gründe gar nichthandelt, und jede Belehrung hoffnungslos ist. Als nun dieEnquete mit allen erdenklichen Hilfsmitteln gründlich durch-geführt war, meinten doch sogar viele Anhänger der Gold-währung, die Sache sei immerhin so übel nicht gewesen. DieSanguinischsten redeten davon, dass die Silberleute siegreichwiderlegt worden seien. Die Unparteiischen, an ihrer Spitzeder Reichsschatzsekretär Graf Posadowsky, glaubten wenigstensfesstellen zu müssen, dass die Schwierigkeit der richtigen Ant-wort auf die Frage nicht entfernt gelöst sei. So viel ist jeden-falls gewiss: von den 202 Mitgliedern des Reichstags, welcheden neuesten Antrag unterschrieben haben, steht es nur vonden Herren v. Kardorff und Leuschner, den Mitgliedern derKommission, ausser Zweifel, dass sie die Protokolle gelesenhaben. Wie viele sonst von den 202 ? Ja, ob sämtliche vier