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einen goldenen Boden und ihre grösste Gemeinde in derAristokratie.
Als die Reichsregierung vor Jahresfrist die Enquete an-ordnete, ging sie von dem Standpunkt aus, es sei immerhinwünschenswert, dass der Silberpreis gehoben werden könnte,und sie wollte zunächst ermitteln, ob es dazu einen gangbarenWeg gäbe?
Wenn die Regierung seit Schluss der Enquete diesen Wegnicht entdeckt hat, was wird aus dem Antrag? Offenbar willman ihr den ersten Schritt leicht machen, indem man ihr vor-stellt: du brauchst ja gar keine Gedanken zu haben, du sollstnur die Nationen zusammenrufen, das Übrige wird sich finden.Offenbar hat man diese Taktik auch eingeschlagen, um mög-lichst viel Unterschriften herbeizulocken. „Was kann da sein!"sagt der Berliner. Cela riengage a rieri, sagt der Franzose.Man hört ordentlich, wie der Einpeitscher zum Kollegen, derselbst seine Unkenntnis in der Sache entgegenhält, freundlichsagt: das kann ja nicht schaden, es soll ja nur ein Versuchsein, eine Verständigung herbeizuführen; wie und womit? dasist Sache der künftigen Kongressmänner. — Der Antrag Kanitz'steuerte auf den Bruch der abgeschlossenen internationalen Ver-träge los. Der Vizekanitz schwärmt für Verbrüderung der Na-tionen. Unter Kameraden ist alles egal.
Fürst Bismarck, der nie lebhaft für die Goldwährung ein-trat, aber den Ernst dieser Dinge nicht verkennen mochte, hatsich nie dazu bereden lassen, auch nur einen Finger zu rührenfür die Berufung einer Konferenz, und das einzige Mal, dass ereiner fremden Einladung folgte, 1881, hat er seinen Vertreternwiederholt aufs strengste eingeschärft, die Hauptaktion denanderen Nationen zu überlassen und nur ganz unbedeutende Zu-geständnisse als möglich in Aussicht zu stellen. Schon damals,1881, trug er ihnen auf, zu erklären: Deutschland befinde sichim vorgerückten Stadium seiner Münzreform verhältnismässigviel wohler als alle anderen Staaten. Er wollte nicht der Narrsein, die Schmerzen Amerikas, Frankreichs, selbst Angloindienszu heilen. Und das geschah alles vor vierzehn Jahren, alsunsere Goldwährung kaum über die ersten Schwierigkeiten hin-aus war, als die Goldproduktion der Welt anfing, bedrohlicheZeichen des Rückgangs aufzuweisen. Damals, als Fürst Bis-