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marck der Pariser Konferenz kaum einige kleine Konzessionenmachen wollte, weil wir mit unserer Goldwährung über denBerg seien, damals lagen in der Reichsbank wenige hundertMillionen Gold, manchmal weniger als Silber. Und heutelagern deren achthundert Millionen darin, eine Deckung, aufdie das goldreichste Land, Frankreich , vor etlichen Jahren nochstolz war, und die noch heute die Bank von England , obgleichsie über Goldplethora klagt, nicht in ihren Kellern hat. Rechnetman die 80 Millionen der Landesbanken und die 120 desJuliusturms hinzu, so haben wir eine Milliarde in Gold imVerwahr, und daneben von dem, was reichlich im ganzen Landumläuft, wenigstens noch anderthalbmal so viel.
Freilich, die Sophistik ist nie verlegen: ehemals hiess es,wir haben zu wenig Gold. Jetzt heisst es: das ist eben dasUnglück! Die Geschäfte gehen schlecht, weil kein Geld daist; es ist kein Geld da, weil alles Gold eingesperrt ist. Aberder arme Gefangene möchte doch so gerne heraus! In derReichsbank liegen zur Zeit hundert Millionen Deckung mehr,als sie Noten im Umlauf hat. Sie könnte dreimal so viel aus-geben, wenn nur Leute da wären, welche Geld brauchenkönnten, natürlich solche, welche die Absicht und die Fähigkeitbieten, es wieder zu geben. Sonst fehlt es an Liebhabern be-kanntlich nicht.
In solcher Lage soll nun urbi et orbi verkündet werden:Deutschlands Währungszustände liegen im Argen, d. h. seinGeschäftsgang verdient das äusserste Misstrauen im In- undAusland. Dies ist die Proklamation, welche durch Annahmedes neuesten Währungsantrags zunächst erlassen wird. Eineweitergehende Wirkung ist davon vorerst nicht zu erwarten.
Aber der wahre Grund für die Notwendigkeit der ganzenUmwälzung soll ja nicht mehr im Mangel an Gold und anGeld, sondern in den niedrigen Getreidepreisen liegen. Wennirgend etwas in der Silberenquete nicht bewiesen worden, soist es gerade dies. Auch ausserhalb der Kommission hat z. B.der angesehenste aller Bimetallisten, der ehemalige holländischeMinister Pierson, noch jüngst in einer scharfsinnigen und gründ-lichen Abhandlung die Lehre von dem Zusammenhang derniedrigen Preise mit der Silberentwertung zurückgewiesen. Unddie Klagen wegen der Konkurrenz richten sich ja jetzt vor-
ßamb erger, Reden u. Aufsätze.