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nehmlich gegen ein Land, das überhaupt nicht mit entwertetemSilber, sondern mit noch viel stärker entwertetem Papier rechnet.Konsequenterweise müsste der Antrag Friedberg und Konsortendahin amendiert werden: die verbündeten Regierungen aufzu-fordern, eine Konferenz zwecks Hebung aller Papierwährungeneinzuberufen.
Die letzte internationale Währungskonferenz fand im Herbst1892 in Brüssel statt. Sie vertagte sich am ij. Dezember des-selben Jahres auf den 30. Mai 1893. Aber seitdem hat mannichts mehr von ihr gehört noch gesehen. Sie war auf An-stehen der Vereinigten Staaten zusammengetreten. Bei derEröffnung fragte man die amerikanischen Delegierten nachihren Vorschlägen. Vorschläge hätten sie nicht mitgebracht,war die Antwort; aber sie bäten jetzt um einige Tage Auf-schub, um sich darauf zu besinnen. Und sie besinnen sichnoch immer.
Jetzt sollen die verbündeten Regierungen des DeutschenReiches diese beneidenswerte Rolle auf sich nehmen. Zu derlohnenden Aufgabe, Deutschlands in glänzender Ordnung be-findliche Geldzustände vor der Welt für erschüttert zu erklären,sollen sie auch die Rolle auf sich nehmen, sich lächerlich zumachen. Man kann gespannt darauf sein, wie sich die Organeder Reichsregierung dem Antrag gegenüber zu den Einzel-heiten äussern werden; ob sie von dessen Urhebern ein Pro-gramm erbitten, oder selbst eins vorlegen werden, und wie sieim einen oder dem anderen Fall beispielsweise über die einekleine Frage denken, ob das Silber wieder von seinem jetzigenPreis von etwa 80 Mark auf den ehemaligen von 180 „ge-hoben" werden soll, eine der kleinen Ecken, um die bei der„Lösung" der Währungsfragen nun einmal nicht herumzu-kommen ist.
Man könnte auch gespannt sein auf die Haltung, welchedie Vertreter von Handel und Industrie in Deutschland zu dieserzwar skurrilen aber immerhin gemeinschädlichen neuen Agi-tation zu nehmen gedenken. Aber allerdings, weder der ersteAntrag Kanitz noch sein jetziger Stellvertreter wären überhauptmöglich gewesen, wenn nicht die meisten unserer hervor-ragenden grossen Kaufleute und Industriellen, im Gegensatz zu