Von den Zeitschriften katholischer Richtung sind in ersterLinie die unter dem Einflüsse von Görres im Jahre 1838 in München ins Leben gerufenen „ H i st o r i s ch - p o l i t i s ch e n Blätter" zunennen, die sich wie der im Jahre 1821 in Mainz gegründete „Ka-tholik" bis auf den heutigen Tag jugendfrisch erhalten und derkatholischen Sache in Deutschland unermeßliche Dienste geleistet haben.Unter den Zeitschriften kirchlichen Charakters verdient besondere Er-wähnung die „S i o n. Eine Stimme der Kirche in unserer Zeit." Sieführt uns wieder nach Augsburg zurück, wo sie seit 1832 imVerlage von Kollmann erschienund sich bis in die 70er Jahrehinein zu erhalten vermochte.
In Augsburg hatte inzwischen(1847) die Piusvereinsbewegung,aus welcher die Versammlungendes Katholischen Vereins Deutsch-lands oder, wie wir heute sagen,die Generalversammlungen derKatholiken Deutschlands heraus-gewachsen sind, Wurzel gefaßt,und einer ihrer angesehensten Ver-treter, Fabrikbesitzer v. Bren-tano , war auf der zweiten Ver-sammlung des Katholischen Ver-eins Deutschlands in Breslau vom9. bis 12. Mai 1849 der Ehre ge-würdigt worden, zum zweitenVorsitzenden gewählt zu werden.
Brentano war ein warmerFreund der katholischen Presseund beantragte eine Empfehlungder „besten politischen Blätterund Tageszeitungen", wobei erals solche die „Augsburger Post-zeitung", das „Stuttgarter Deut-sche Volksblatt", die „RheinischeVolkshalle" und das „Mainzer
Journal" bezeichnete. Doch der Postzeitungsredakteur selbst, <Dr. Schönchen, sprach sich gegen die namentliche Empfehlung ein- )zelner Zeitungen aus, „da sie nur zu leicht ihre Farbe wechseln und ?deshalb eine Empfehlung sehr bald illusorisch werden könne". Aus ^diesen Einwand Schönchens, derdabei wohl an die bereits er-wähnte Breslauer AllgemeineOderzeitung gedacht hat, wurdeBrentanos Antrag abgelehnt.
Dr Schönchen trat auf dieserBreslauer Tagung übrigens auchals Redner in der allgemeinenVersammlung auf; es würde je-doch zu weit führen, darauf hiernäher einzugehen.
Mit dem 31. Mai 1855 gabDr Schönchen die Schriftleitungder „Augsburger Postzeitung"aus der Hand, um einem offizi-ellen Rufe an die ministerielle„diene Münchener Zeitung" Folgezu leisten, die er bis zur Entlas-sung des Ministers Grafen vonReigersberg, 1858, führte. Erhatte mit Beginn der zweitenHälfte seiner so hoffnungsfreudigübernommenen Augsburger Tä-tigkeit eine schwere Enttäuschungerlebt. Infolge des Rückganges
der Auflage der Postzeitung war die Tantieme, die er vertragsmäßigvon der 1800 übersteigenden Abonnentenzahl bezogen hatte, in Weg-fall gekommen und so sein kümmerlicher Gehalt der mühsam erwor-benen Aufbesserung verlustig gegangen. Dadurch ward er, um seineFamilie ernähren zu können, genötigt, neben der Redaktion desBlattes, die säst ausschließlich auf ihm lastete, sich nach einem Neben-verdienst umzusehen, und so erteilte er wöchentlich noch 10 StundenKlavierunterricht. In solch trüber Lage fand er, wie Pfülss zuberichten weiß, Teilnahme, Aufmunterung und auch materielleUnterstützung von feiten des Kölner Kardinalerzbischoss von Geissel.
Diesem war er ja kein Unbekannter mehr. Hatte er sich doch schon1848 an die unter des Kardinals Vorsitz in Würzburg tagende Bischofs-versammlung gewendet mit einem Schreiben, in dem er die Gründungeiner „katholischen Generalzeitung für ganz Deutschland " in An-regung brachte und als Beitrag zur Verwirklichung des Projektes6000 Gulden — der Sinn dieser Forderung ist leider nicht mehr fest-zustellen — verlangte. Der Kardinal schrieb ihm am 23. Juli 1852von Bad Eins aus: „Ich erkenne mit Freuden die vielen Verdienstean, welche Ew. Wohlgeboren um die katholische Sache sich erworben
haben", und am 1. Dezember desgleichen Jahres: „Ich lese Ihrmit Entschiedenheit und Umsichtsehr wacker und würdig redigier-tes Blatt stets mit lebhaftemInteresse." Gleichzeitig bot sichder Kardinal an, ihm, wenn er-wünscht, bei Vorgängen beson-derer Art durch seinen Geheim-sekretär einen kleinen Original-artikel aus der Kölner Gegendüber die dortigen Zustände unterdein Siegel des Schweigens zuüberwachen.
Beglückt durch diese Anerken-nungen erwiderte Dr. Schönchenauf das erste Schreiben: „Jetzterst, nachdem Ew. Eminenz gnä-digste Erwiderung . . in so zärt-lich besorgter, wahrhaft ritter-licher Weise mir geworden, habeich wieder einigen Mut geschöpft",und auf das zweite antwortete eru. a.: „In dem Zwiespalt derMeinungen, wo die Wünsche undInteressen von Abonnenten, Ver-leger und Redakteur oft in einwahres Kreuzfeuer kommen, istes mir immer ein Trost gewesen, aus kompetentein Munde ein Wortder Ermunterung und Anerkennung zu vernehmen, und so habendenn auch Ew. Eminenz freundliche Bemerkungen meinen Muth aufsneue belebt und mich angeeifert, der Würde vor allem zu gedenken.
Ich kann nicht läugnen, daß ichin dieser Hinsicht anderen katho-lischen Blättern, wie z. B. dem„Mainzer Journal" und auch bis-weilen der „Volkshalle", nichtimmer meinen Beifall zollenkann; denn es ist meine festeUeberzeugung, daß der Einflußund das Ansehen dieser Blätternoch bei weitem größer wäre,wenn sie überall Maß halten undnamentlich im Ausdruck sorg-fältiger sein würden."
Ob Schönchen mit diesen Aus-führungen den Zweck verfolgte,sich für die Leitung eines katho-lischen Zentralorgans Deutsch-lands , dessen Gründung damalsimmer noch eine viel gehegte Il-lusion war, in empfehlende Er-innerung zu bringen, ist, so nahediese Annahme liegt, schwer zusagen, jedenfalls aber entsprachdie in seinen Worten enthalteneZensur über andere Blätter ganzdem Verhalten, das später die von ihm geleitete Neue Münchener Zeitung den übrigen katholischen Blättern und vor allem der Post-zeitung gegenüber an den Tag zu legen pflegte.
Nach Schönchen übernahm die Redaktion der Postzeitung derPriester Dr Max Huttler , der Hand in Hand mit ihrem Verlegeralle Anstrengungen machte, ihr zu größerer Bedeutung und weitererVerbreitung zu verhelfe». So wandten sich die beiden Ende Novem-ber und Ansang Dezember 1855 mit einer ausführlichen Eingabe anden deutschen und österreichischen Episkopat um Unterstützung derAugsburger Postzeitung, von der gesagt wird, daß sie sich gegenwärtig
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Druckts und verlegts, BmihardusHomydeus Mayer, wohnhafft_a uf dem obern Graben , in dem so g maimren Schneid-Hauß.
Kopfleiste der ttugsöurger pastreitung vom Jahre 17I1 (Originalgröße).
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Lugipurgische Mrdmari - Bost - Zeitung.
Druckrs unoverlegrs , Bernharous Homoveus Mayer, wohnhafft aufdem obern Grabou, in dem sogenannten Schneid-Hauß.
Kopfleiste der Kugsöurger Poskreitung vom Jahre 17I7 (Originalgröße).