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20. Juni des gleichen Jahres ließ sich die Redaktion in einem Artikel,der als Programm für die kommende Jahreshälfte gelten sollte, u. a.also vernehmen:
,.Wie die Kirche überall, wo ihre Sendboten erschienen, auch die sozialenund politischen Verhältnisse organisierte und zu einem festen Bestände brachte,so kann umgekehrt die Kirche auch nur da ihre segensreiche Tätigkeit entfal-ten, wo diese politische Ordnung in ihrem Wesen unangetastet bleibt. Einesbedingt das andere. Durchdrungen von dieser Ueberzeugung und die Not-wendigkeit einer mächtigen katholischen Presse aufs klarste erkennend, hatsich deshalb — wir freuen uns, es unseren Lesern verkünden zu können - -eine größere Anzahl von Männern, deren Namen in der katholischen Welt denbesten Klang haben, der Redaktiondieser Blätter verbindlich gemacht, UM 270.und zwar mit der edelsten Uneigen-nützigkeit verbindlich gemacht, vomJuli dieses Jahres an sich über dieTagesereignisse in der Postzeitungund hauptsächlich in den Beilagen der-selben auszusprechen, insbesondereaber aus die Literatur ein sorgsamesAuge zu werfen. Wir sprechen hie-mit gegen jene Männer öffentlich un-sern Dank für ihr edles Anerbietenaus, halten es aber auch für eineunabweisliche Pflicht unsererseits, analle Freunde der katholischen Sacheuns zu wenden, mit der dringendenBitte, dieser edlen Uneigennützigkeitnun auch ihrerseits mit einigerAufopferung entgegenzukommen. Solldie Postzeitung, welche schon jetzt wohldie breiteste Grundlage unterallen katholischen politischen Tages-blüttern Deutschlands, also auchdie gegründetste Hoffnung auf einegrößere Zukunft hat, das von ihr er-strebte Ziel erreichen und eine uner-schütterliche mächtige Stellung ein- ^ ^ ^ - . _ ^
nehmen, so bedarf sie hiezu - wie sich SZ-schx Montag/ Dienstag, Donnerstag/ §rexrag und Sambstsg/ wie auchk ,n° Mt ^ ^ großer ^ ^ da- Lxrr». Dlätl ;n haben ist-
lichsten zufließen, wenn sie eines gro- VkklkHlÄ , Akl'NffülöÜE!
hen Abo n n e n t e n Kreises sich er- HM auf dem obern Graben, in dem sogenanntm Schneid - Havß.
freut. Bisher hat sie IN dieser Be- - . . / -!-------—-,
gehabk Ie^gröcher sich die^Tettnahme Kopfleiste See stugsburger stost-ertung vom Jahre 17D (Original.qrösie).
für die Postzeitung zeigen wird, desto
kräftiger und eingreifender wird sie auch auftreten können, und so ist esam Ende nur die katholische Sache selbst, welche dadurch gewinnt, wenneines ihrer besseren Zeitungsorgane nach Kräften und allseitig unter-stützt wird."
Die „Historisch-politischen Blätter", welche diesen Artikeleiner kurzen Abhandlung über „Die katholische Journalistik
dieses Blatt, vom südlichen Baden bis zum Niederlande die Ufer desRheinstromes verfolgend, unter 18 bis 19 in diesem schmalen Land-striche erscheinenden Zeitungen kaum 2 bis 3 zu finden, deren Haltungeine entschieden gute genannt werden konnte. Das Borromäusblattdürfte hier außer der Koblenzer „N h e i n - u n d M o s e l z e i t u n g",die übrigens 1850 schon wieder einging, in erster Linie den „ W e st -f ä l i s ch e n M e r k u r " in Münster im Auge gehabt haben, lind imübrigen Deutschland, sagte es, war es nicht besser, sondern nochschlimmer bestellt, „indem in allen Ländern von Deutschland nur noch
. —2 entschieden gute Zeitungen er-
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Deutschland", zum Abdruck brachten, bemerkten dazu: „Wir wünschender Postzeitung im Interesse der gemeinsamen Sache, die wir ver-fechten, diese vermehrte Theilnahme von ganzem Herzen und emp-fehlen sie hiemit der Theilnahme unserer Leser; denn wir halten es
gegenwärtig für eine unerläßliche - 77 ^----————
Pflicht aller Katholiken, der Ent- 2,69»
l740
scheinen". Als diese beiden be-zeichnete es die „Augs-b u r g e r P o st z e i t u n g " nnddie „Breslauer Oderzei-tung,,. Doch ist die letztereschon im März 1848 der katho-lischen Sache untreu geworden.Dagegen sind ihr im Laufe diesesJahres anderwärts neue wackereVorkämpfer erstanden, so mitdem 1. Mai in Stuttgart das„Deutsche Volksblatt" inwelchem auch die „SüddeutscheZeitung", die in Freiburg i. Br.seit 1845 erschienen, aber nichtlebensfähig geworden war, auf-ging, sodann mit dein 1. Juli das„Mainzer Journal" undmit dem 1. Oktober die un-ter großen Schwierigkeiten inKolli gegründete „RheinischeVolkshalle". Letztere gingjedoch schon nach Jahresfrist in-folge Erschöpfung der für sie auf-gebrachten Geldmittel wieder ein.An ihre Stelle trat noch 1849 die „Teutsche Volkshalle", die sich raschzu einem angesehenen, vielversprechenden Organ entwickelte, aber imJuli 1855 von der preußischen Regierung unterdrückt wurde. Schoneinen Monat später trat als Ersatz unter dem Titel „Deutschla n d"in Frankfurt eine neue Zeitung ins Leben, sah sich aber schon imJuli 1858 wegen finanzieller Schwierigkeiten genötigt, ihr Erscheinenwieder einzustellen.
Von da an war die „Augsburger Postzeitung" (nach Pfülfs in„Eardinal von Geissel) wie das älteste, so auch das größte politische
der Katholiken
ettung.
9 Novkmbcr.
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Wickelung des öffentlichen Lebensnicht müssig zuzusehen."
Doch diese auf der einen Seiteerhoffte und von der anderen ge-wünschte Unterstützung blieb aus.Während die Postzeitung sich von1841 bis 1847 von 1500 aus
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Mj,s,ch bringt
hatte, ging un Jahre 1848 zum „ .
Zeitungen «.andere
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Druckts, Btrnhardus H»nwd<usMayer/ wcchnhasst auf deinrbern Graten, in dem segeimmnea Schneid» Hcwß.
Kopfleiste öer Donnerswgsrrusgsöe der stugskurger stostreitlrng voin Jalrre 17^0.
(Originnlgröjle — /. L. 9)
un Jahre 1848
Teil infolge des Entstehens neuerBlätter, zum Teil aus anderen inden Zeitverhältnissen liegendenGründen die Zahl der Bezieherunter 1800 zurück. Und auch die„Uneigennützigkeit" redaktionel-ler Mithilfe scheint bald versagtzu haben oder vielmehr durch
vexatorische Handhabung der Zensur den betreffenden Männern ver-ekelt worden zu sein. Wenigstens findet sich in einer zu Schaffhausenim Jahre 1849 erschienenen, „Kirche und Staat in Bayern " betiteltenSchrift die bemerkenswerte Konstatierung:
„Wie auch die katholische Presse unter demselben Censurzwang standwie die liberale und protestantische, das beweist zur Genüge die „Augs-burger P o st z e i t u n g " , die von den Gegnern nur deshalb gehaßt wird,weil sie, die als eine Zeitung doch eine Lichtträgerin der Aufklärung sein soll,sich zur Verteidigung der Kirche herbeigelassen. Die „Postzeitung" hat denRotstift nur zu sehr kennen gelernt; weßhalb denn auch jede bedeutendereKraft sich von ihr zurückziehen mußte."
Wenn wir hier eine kurze Umschau in der deutschen Journa-listik der damaligen Zeit halten, dann muß sich, um mit dem Monats-blatt des Vereins vom hl. Karl Borromäus vom 1. Januar 1848 zureden, „unser ein wehmütiges Gefühl bemächtigen": vermochte doch
die neueste
Begebenheiten
Zcimi
Organ
Deutschland. Sie war nicht bloßein speziell bayerisches Blatt, son-dern vertrat die politischen undkirchlichen Interessen vorzüglichdes südlichen Deutschland , in ge-wissem Grade aber für das katho-lische Deutschland überhaupt.
Außer den im vorstehendenangeführten Blättern von größe-rer Bedeutung vertraten die ka-tholische Sache Ende der 40erJahre noch verschiedene kleinere.Aus Bayern sei vor allem diein Passau erscheinende „D onau-z e i t u n g" erwähnt. Auch die„ A s ch a f f e n b u r g e r Zei-tung " enthielt „von Zeit zuZeit beachtenswerte Artikel inlöblicher Gesinnung, die eine weitere Verbreitung in größeren Kreisenverdienten". In Würzburg hatte die vordem so vielversprechende„Neue Würzburger Zeitung" ihre Rolle bereits ausgespielt und der„Fränkische Courrier" es nicht vermocht mehr als lokale Bedeutungzu erringen. Neugegründet wurden in den Jahren 1848 und 1849die „Landshuter Zeitung", dann das „ R e g e n s b u r g e rMarge nblatt" und in Annweiler die „ Pfälzer Zeitung",die 1859 nach Speyer übersiedelte. Auch München erhielt erstim Jahre 1848 eine katholische Zeitung in dem von dem Mecklen-burger Konvertiten Zander, der von 1831 bis 1838 in Aschaffen-burg den von Pfeilschifter zuerst in Offenbach herausgegebenen„Zuschauer am Main " hatte erscheinen lassen, gegründeten „Vo.lks-boten".