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SÄ tHre Hrttnöung) Entwicklung unö Bedeutung, s^
Iin gleichen Verlage wie die Augsburger Postzeitung erscheintnoch ein anderes Blatt, das zwar keine so weit zurückreichende undinteressante Geschichte auszuweisen hat, wie die Postzeitung, dafüraber den Ruhm für sich in Anspruch nehmen darf, von allen auf demZentrumsstandpunkte stehenden bayerischen Volksblättern das ammeisten verbreitete zu sein. Es ist dies die „Neue AugsburgerZeitun g", die mit einer Tagesauflage von über 40 000 Exemplaren,um mit der „Wiener Reichspost" in einem vor mehreren Jahren ver-öffentlichten Artikel über die bayerische Zentrumspresse zu sprechen,„ganz Schwaben förmlich beherrscht".
Die Neue Augsburger Zeitung wurde im Jahre 1852 unterdem Titel „Augsburger Stadt- und L a n d b o t e" ins Lebengerufen. Ihre Gründung wuchs heraus aus dem im katholischenVolke sich mehr und mehr geltend machenden Bedürfnis nach einemdie Katholiken sammelnden und ihren Interessen Rechnung tragendenV o l k s b l a t t e. Die gebildeten Kreise hatten ein solches Blatt inder Augsburger Postzeitung, für die breiten Massen des Volkes inStadt und Land dagegen mangelte es an einem entsprechenden Organ.Wohl suchte der „L e ch b o t e", der damals von einem gewissen Huthredigiert wurde, diese Lücke auszufüllen, aber er ward mangelsgenügender Unterstützung nicht lebenskräftig und sollte laut einerAnkündigung im „Sendboten" (Nr. 13 vom 22. Juni 1851) vom1. Juli 1851 ab durch ein neues katholisches, unter dem Titel „DerFreimüthige" erscheinendes und von L. Schönchen, dem lang-jährigen Redakteur der Postzeitung herausgegebenes Tagblatt ersetztwerden. Aber auch dieses Organ — wenn es überhaupt ins Lebentrat — konnte sich nicht durchsetzen und dürfte nur ganz kurze Zeitbestanden haben. Wurde doch schon zu Beginn des Jahres 1852 ineiner Versammlung des Augsburger Piusvereins von einem ehrsamenBürger, Gärtnermeister Schädler, darauf hingewiesen, wie nach-teilig es für die Katholiken sei, daß sie kein katholisches Stadt- undProvinzialblatt für Augsburg und Schwaben und Neuburg besitzen.In diesem Vereine, der im Jahre 1847 von Or. Pius W i t t m a n n,einem um die katholische Sache sehr verdienten Manne, gegründetworden war und den Mittelpunkt der seit Ende der vierziger Jahrewieder erwachten katholischen Bewegung bildete, war schon im ver-gangenen Jahre wiederholt zur Unterstützung der katholischen Blätteraufgefordert und eindringlich darauf hingewiesen worden, „wie un-verantwortlich einfältig es ist, wenn Katholiken kirchenfeindlicheZeitungen mit ihrem eigenen Gelde füttern, dagegen katholischeZeitungen aus Mangel an reger Teilnahme zu Grunde gehen oderdoch verkümmern lassen". Kein Wunder, daß in diesem Vereine dieBestrebungen, ein katholisches Volksblatt zu bekommen, nach demEingehen der bisherigen, erneut lebendig wurden. Freilich sahman auch ein, daß mit Worten und Resolutionen nicht zum Ziele zukommen sei und daß sich lediglich mit Empfehlungen und Dank-sagungen für die geleistete Arbeit ein Blatt auf die Dauer nichthalten lasse. In dieser Erkenntnis machte Gärtnermeister Schädlerin der erwähnten Versammlung den Vorschlag, „das Gedeihen einessolchen Blättleins dadurch zu ermöglichen, daß recht viele Katholikensich verbindlich machen, jeden Monat eine bezahlte Anzeige, wennauch nur von wenigen Zeilen, in ein solches Blättlein setzen zu lassen".Der Vorsitzende des Vereins, Or. Wittmann, bezeichnete diesen Vor-schlag als einen zweckdienlichen, meinte aber, daß er allein nichtzum Ziele führe. „Zu einem solchen Blättlein brauche man, wennes eine Bedeutung gewinnen solle, vor allem einen sehr tüch-tigen Redakteur, und ein solcher fei schwer oder gar nicht zufinden, wenn man ihm nicht eine anständige und womöglich gesicherteStellung anweisen könne. Dazu gehöre aber ein gutes StückGeld, und das falle über die Druck- und Papierkosten bei einemwohlfeilen Blättlein nur dann heraus, wenn dasselbe bei recht vielenlebendige Teilnahme finde, durch welche die möglichst große Aus-dehnung seines Leserkreises nicht nur begünstigt, sondern auch aufdie Dauer gesichert werde. Zeige sich eine solche. Teilnahme, die inder Liebe zur katholischen Sache wurzle, nicht, so sei es gar nicht derMühe wert, ja es sei vielmehr töricht, für ein bedeutungsloses Unter-nehmen Geld zu verschwenden. Ein katholisches Volksblatt habejedenfalls nur dann Bedeutung, wenn das katholische Volk sich dessen
) durch zahlreiche Beteiligung annehme, es gleichsam als sein Organ.( seine Stimme anerkenne und geltend mache. Da aber der Minder-) bemittelte weder Geld noch Zeit genug habe, um ein täglich
< erscheinendes Blättlein halten oder lesen zu können, und da selbstc viele wohlhabende Leute, namentlich aus dem Lande, ohne besondere? Anregung keine Lust dazu haben, so komme es hauptsächlich auf den( Eifer der hochwürdigen Geistlichkeit an; .... denn nach KräftenE mitzuwirken seien viele Laien bereit, sobald jene mit ihrem guten
< Beispiele vorangehe und ihren großen Einfluß in die Wagschale lege."
- Im weiteren Verfolge dieser Gedanken und Anregungen er-) schien in der nächsten Nummer des „Sendboten", des seit 1850
> bestehenden und von Or. Pius Wittmann trefflich redigierten Organs) der Piusvereine, dessen Leserzahl damals bereits „siebenthalbtausend"
< betrug, ein Aufruf zum Zwecke der Bildung eines „Leser-
> vereins" mit möglichst vielen Mitgliedern, „welche sich durch ver-/ lässige Unterschrift verbindlich machen, ein zu Augsburg am 1. Juli1 dieses Jahres oder bälder herauszugebendes katholisches Stadt- und) Provinzialblatt für Schwaben und Neuburg wenigstens ein Viertel-( oder Halbjahr lang zu bezahlen, wenn dessen Preis höchstens
> 45 Kreuzer für das Vierteljahr beträgt". Gleichzeitig wurde an die
< Mithelfer des Piusvereins die Bitte gerichtet, „eine Liste zur Ein-^ Zeichnung in Umlauf zu setzen nick diese nach Ablauf van 6 Wochen? nebst gutachtlichem Bericht . . . anherzusenden".
? Der Aufruf fand lebhaften Anklang. Am 11. April zählte das
- Unternehmen „bereits etwa neunthalbhundert Teilnehmer", ein so? befriedigendes Ergebnis, wie es in einer „Danksagung und Bitte" in/ Nr. 8 des Sendboten vom genannten Tage heißt, „daß an dem Ge-1 lingen des Unternehmens, will's Gott, nicht mehr zu zweifeln ist".
< Vierzehn Tage später war die Zahl der Teilnehmer in Augsburg überr 500, auswärts auf 070 gestiegen, und bis zum 23. Mai hatten sich? wieder weitere Teilnehmer gemeldet, so daß die Zahl derselben 1350) bereits überstieg, wovon 830 auswärtige waren. In der von diesem
> Tage datierten Nr. 11 des „Sendboten" wurde auch mitgeteilt, „daß( das Blatt den Titel „A u g s b u r g e r S t a d t - und L a n d b o t e"i erhalten wird, ein durchaus volkstümliches Tagblatt sein und soviell als möglich alles dasjenige enthalten soll, was ein gutes Tagblatt zu? enthalten pflegt". Für die Redaktion des täglich mit Ausnahme der) Sonn- und hohen Feiertage erscheinenden Blattes wurde Josephl Schmidbauer gewonnen, „welcher als Herausgeber katholiich-^ politischer Blätter seit mehreren Jahren gewirkt und sich in jedert Beziehung bewährt hat". Doch seines Bleibens war nicht lange.( Schon mit Beginn des Jahres 1853 übernahm Or. P. Wittmann? die Redaktion, ein halbes Jahr später Or Max H u t t l e r, und mitl dem II. Quartal 1854, „da es für Herrn Or M. Huttler wegen anderer/ Geschäfte untunlich geworden ist, die Redaktion fortzuführen",? interimistisch wiederum Or P. Wittmann, den ein Vierteljahr später/ Studienlehrer Or Ludwig Lang, „ein in jeder Hinsicht aufs beste
- bewährter katholischer Schriftsteller", ablöste. Lang übersiedeltei aber schon bald nach Regensburg , worauf Or Wittmann wiederum) „die Last der Redaktion des Stadt- und Landboten" übernahm,l bis sie ihm mit Beginn des II. Quartals 1855 wieder abgenommen) wurde und zwar von einem, der sie schon einmal getragen hatte,) I. Schmidbauer.
) Gleichzeitig trat eine weitere Veränderung in den Verhältnissen
- des Blattes ein. Der Verlag desselben ging nämlich anL. Doll, derl wohl mit dem Buchdruckereibesitzer und Buchhändler Leonhard Doll( identisch ist, über. So kurz diese Mitteilung war, so bedeutungsvolli war sie. Der schöne Gedanke, daß das Blatt „seinem Leserverein als^ Eigentum gehören", oder „freies Eigenthum seiner Theilnehmer seyn( und bleiben" soll „in dem Sinne, daß die über die unvermeidlichent Kosten sich ergebenden Ueberschüsse verwendet werden, erstens zur? möglichsten Vervollkommnung des Blattes selbst, zweitens zur Herab-t setzung des Preises und endlich drittens, wenn thunlich. zu wohl-/ thätigen Zwecken", — dieser schöne Gedanke hatte Fiasko gemacht,
- wie das meistens der Fall ist bei Gründungen, die in aufwallender» Begeisterung sich vollziehen, ohne in feste Hände gelegt zu werden.) Der Piusverein, die Wiege des unter so großen Hoffnungen und
< Erwartungen ins Leben getretenen Blattes, ging damals aber den