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Die Augsburger Postzeitung und Neue Augsburger Zeitung im neuen Heim
Entstehung
Seite
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Im neuen Aeim.

Wer seinen Schritt von der Karolinenstraße nach dem HohenWege lenkt und beim Riedingerhaus hinunterblickt zum Fuße desSchmiedberges, der kann sich des monumentalen Eindruckes sichernicht erwehren, den die mächtige gotische Fassade des Geschäftshauses /derNeuen Augsburger Zeitung" undAugsburger Postzeitung" ausihn macht. sSiehe Abbildung Seite 20.) Fm Stile der wunderbaren,himmelanstrebenden deutschen Dome, die eine glaubensfrohe, starkeChristenheit erbaute, ist diese Fassade errichtet. Es war ein tieferGedanke, der die verstorbenen Vorbesitzer des Hauses, Adolf Haas und Joseph Grabherr, im Jahre 1903 zur Anlage eines dergestaltigenarchitektonischen Schmuckes lenkte. Das Haus sollte auch nach außenhin seine Bestimmung kundtun.

Zwar waren die Mauern der verschiedenen Gebäulichkeiten,die hinter dieser Fassade, hinter dieser glänzenden Umrahmung lagen,noch gut und stark, teilweise sogar ein Rest der unverwüstlichen altenStadtmauer, und hätten noch Jahrzehnte lang den Stürmen der Zeitzu trotzen vermocht,' aber die Räumlichkeiten, die sie umschlossen,waren allmählich zu klein und zu winkelig geworden für die gestei-gerten Raumbedürfnisse eines modernen Zeitungsbetriebes. Und somußte man sich dazu entschließen, an Stelle des kleinen, dem Stadt-graben zu gelegenen Rückgebäudes ssiehe Abbildung Seite 2s) unterAuflassung des zwischen ihm und dem Graben befindlichen Vor-gärtchens einen großen Neubau aufzuführen, das dem Stadtbad zugelegene Seitengebäude, in dem sich bisher der größte Teil des Be-triebes befunden hatte, wie auch das Vordergebäude in seinem süd-lichen und westlichen Trakt entsprechend umzubauen und beideObjekte sowohl unter sich wie mit dem Neubau in Zweckmäßige Ver-bindung zu bringen.

Der Neubau weist aus der Stadtgrabenseite eine stattlicheBarockfassade auf, die plastische Arbeiten zieren. In der Mitte istdas Buchdruckerwappen angebracht, und rechts und links von diesemsehen wir feinausgeführte Symbole des Druckerei- und Zeitungs-betriebes. Auf der Stadtbadseite ist der Neubau einfach gehalten,dagegen ist hier zwischen ihm und der Fassade des alten Baues durchreizvolle architektonische Gruppierungen, anheimelnde Erker usw.,in glücklicher Weise ein gefälliger Uebergang geschaffen worden.Riesige Fenster geben allen Räumlichkeiten genügend Licht, beein-trächtigen jedoch keineswegs das formschöne Bild, das durch die Ver-ankerung des Stiles von Alt- und Neubau gewonnen wurde.

Bevor wir nun das Innere des neu- und umgebauten Etablis-sements beschreiben, dürfte die verehrlichen Leser wohl eine Ge-schichte des Hauses 6 230 interessieren. Dieses Haus ist einaltes Anwesen mit realer Schmiedgerechtigkeit, dieBelzschmiede"genannt. Der nachweisbar früheste Eigentümer war ein Hufschmiedmit Namen Hans von Asch, in dessen Besitz es im Jahre 1533 kam,als am 22. Dezember die Klosterfrauen zur Widmung eines Findel-hauses ihr Kloster usw. cedierten". Zuvor scheint es also zu demalten, von Franziskanerinnen bewohnten Horbruckklösterlein (6 231),das 1538 in ein Findelhaus umgestaltet und 1900 wegen Erbauungdes Stadtbades abgebrochen wurde, gehört zu haben. Weitere Nach-richten über das Anwesen liegen erst vom Jahre 1585 an vor. Am17. September dieses Jahres kaufte es Sibylla May, geb. Rembold,aber nur auf kurze Zeit: denn schon nach Monatsfrist, am 16. Oktober,ist sein Eigentümer ein Hafner namens Georg Gabler. Als weitereBesitzer folgen wieder Hufschmiede, und zwar 23. Juli 1611 GeorgFischer, 4. Februar 1635 Hans Georg Fischer, 16. Mai 1670 GeorgFischer. Darnach kaufte , es Barbara Egckhart, geb. Fischer, vonwelcher es am 26. März 1705 der Hufschmied Adam Georg Fischerübernahm. Am 17. Juni 1733 erwirbt es Hufschmied Johann GeorgBeiz und am 21. Mai 1798 Hufschmied Gottlieb Tobias Belz. Vonletzterem kaufte es am 1. April 1818 samt der realen Schmiedgerech-tigkeit, sowie den vorhandenen Werkzeugen und Materialien Huf-schmied Wolfgang Hahn. Aus Hahns Besitz ging es unterm 9. Januar1828 auf Grund stadtgerichtlicher Beschlüsse vom 30. Oktober und12. Dezember 1827 samt der realen Schmiedgerechtigkeit an Wein-händler Christian Mittler über an Zahlungsstatt für Forderungen, dieer an Hahn hatte. Mittler hat das Haus indes schon am 4. September1828 wieder verkauft und zwar an Wagner Paul Ottmann. Am27. März 1846 erwarb es Tuchmacher Heinrich Söldner, doch wie esscheint nur teilweise, denn laut Urkunde vom 2. Februar 1848 hater und Steinbruchbesitzer Friedrich Ottmanndas bisher gemein-

- schaftlich besessene Haus" samt der darauf ruhenden realen Huf- 1 schmiedgerechtigkeit an den Kupierschmiedmeister Alois Blümel ans) Dachau veräußert. Nach dessen Tod ging es am 29. Februar 1814 ant seine Witwe Maria Anna, Tochter des Bierbrauers KönigZumH Häring" in Augsburg, über, und als auch diese im Jahre 1879 dasf Zeitliche gesegnet hatte, übernahm das Anwesen ihr Sohn, Kupfer-l schmiedmeister Max Blümel. Von diesem kauften es, wie bereits

> erwähnt, 1890 die Verleger derAugsburger Postzeitung'' lindNeuenl Augsburger Zeitung", Adolf Haas und Joseph Grabherr, um die im» Hause 6 220 befindliche Buchdruckerei dorthin zu verlegen. Nachdem/ gu diesem Zwecke ein neues Rückgebäude aufgeführt worden war,

< erfolgte Mitte Oktober 1890 die Verlegung des Geschäftes. Eine? weitere bauliche Aenderung fand im Frühling 1896 statt, indem das? gegen Norden gelegene Seitengebäude in östlicher Richtung erweitert

> wurde. Die letzte bauliche Aenderung wurde 1903 vorgenommen.? Sie betraf ausschließlich das Vorderhaus, das die gotische Fassade,

> sowie den Giebelaufbau auf der südlichen Seite erhielt.

) Und nun kam im Frühjahr 1912 die größte bauliche Aenderung

1 und Erweiterung, die das Haus je erfahren hat.

H Kommt man vom Schmiedberg her, so sieht man, daß die ganzen

< Parterreräumlichkeiten der imposanten Westseite von( der völlig umgebauten, aufs modernste ausgestatteten Expedition,

- die wir bereits beschrieben haben, eingenommen werden.

? Der Haupteingang zum Betriebe liegt auf der Süd-

1 feite. Treten wir ein, so sehen wir rechts das Portierzimmer, an das? sich die F a h r r a d e i n st e I l h a l l e anschließt. Von dieser führenl einige Treppen hinab in einen großen dreiteiligen Kellerraum.

> Der größere Teil dieses Raumes enthält zwei mächtige Gliederkessel? für die Niederdruckwarmwasserheizung und einen kleineren für die

> Warmwasserbereitungsanlage. In einem der zwei kleineren Räume) befindet sich die Entstaubungsanlage, mährend der andere als Kohlen-( lager dient. Auf der linken Seite des Haupteingangs ist die Türe

> zum Treppenhause, das zu den Wohnungen des Direktors, Betriebs-( leiters und Hausmeisters führt. Geradeaus gehend gelangt man in, den Hofraum, wo links eine Türe liegt, durch die man zu denc Druckereikontoren und den Büros des Verlags gelangt, während/ rechts unter einem ansprechenden Erkervorsprung ein Portal sich1 befindet, das in den Neubau und zu den Büros der Redaktion führt.

< Iu ebener Tröe öes

< liegt der Rotation smaschinensaal. Vorher waren die

( Rötationsmaschinen und die Schnellpressen in einem Raume unter-) gebracht. Jetzt sind sie zu beiderseitigem Vorteil getrennt. Diel Schnellpressen sind im alten Maschinensaal zu ebener Erde desr dem Stadtbade zu gelegenen Seitengebäudes geblieben, nur wurden? sie alle in einer Flucht längs der Stadtbadseite gruppiert (siehe Ab-/ bildung Seite 30). Im gleichen Raum haben auf der anderen, dem) Hofe zu liegenden Seite die Tiegeldruckpressen Ausstellungc gefunden (siehe Abbildung Seite 30), und in der Mitte des 17 Meter) langen, 8 Meter breiten und über 3 Meter hohen Saales stehen die) Papierschneide- und Persoriermaschine sowie andere Hilfsapparate.( Der Rotationsmaschinensaal,

) der von diesem Raume durch einen mit Pendeltüren versehenen Glas-( verschlag getrennt ist, hat eine Länge von 1614, eine Breite von 1314i und eine Höhe von nahezu 414 Metern. Gewaltige Säulen mit feuer-? sicherer Ummantelung tragen die schwere Decke, in die drei bis zu) 80 Zentner wiegende Träger eingebaut sind. In diesem großen, helleni und freundlichen Raume stehen zwei Vierrollen-Notationsmaschinen,^ mächtige Kolosse von je 6,90 Meter Länge, 3 Meter Breite und/ 314 Meter Höhe (siehe Abb. S. 32 u. 30). Ein Teil des Saales dient? auch als Packraum und zur Abgabe der Zeitungen an die Trägerin-1 nen. In beiden Maschinensälen ist noch freier Platz vorhanden.? Neben dem Rotationsmaschinensaal liegt? die Stereotypie,

) deren Einrichtung nach den modernsten technischen Errungenschaften? angelegt ist, was wir in dem Aufsatz:Von der Papierrolle bis zurr fertigen Zeitung" bereits näher ausgeführt haben. Auch dieser Saal) ist sehr geräumig, luftig und hell; er hat eine Länge von 9,9, eine^ Breite von 5,3 und eine Höhe von über 4 Metern. Zwischen derr Stereotypie und dem Schnellpressensaal befindet sich^ der Schmelzraum,