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Die Augsburger Postzeitung und Neue Augsburger Zeitung im neuen Heim
Entstehung
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nur im Stadtnamen seit 1800 orthographisch geänderten TitelAugsburgische Ordinari Postzeitung" führt, eine bedeutsame Neue-rung ein. Sie wird von jetzt ab von einem Redakteur gezeichnet.Einen solchen hatte sie früher allerdings auch schon gehabt, aber nurim Nebenamt" und ohne daß er zeichnete. So ist bekannt, daß am21. Mai 1812 ein Redakteur derAugsburgischen Ordinari Post-zeitung" mit Namen Tobias Brand müller starb, nachdem er32 Jahre lang die Redaktion besorgt hatte. Und er muß kein schlechterRedakteur gewesen sein, hieß es doch in dem ihm gewidmeten Nach-ruf, daß er durch Schnelligkeit in der Mitteilung der Nachrichten undNeuigkeiten, durch sorgfältige Auswahl, durch eine allgemeinverständ-liche Schreibart usw. ein Zutrauen in allen Kreisen sich erworbenhabe. Dieser Tobias Brandmüller war am 10. Oktober 1748 in Mein-mingen geboren, hatte in Erfurt und Leipzig studiert und war späterProfessor am Gymnasium St Anna in Augsburg, wo er säst vierJahrzehnte hindurch als ein überaus beliebter Iugenderzieher segens-reich wirkte und auch sonst als ein heiterer, froher Gesellschafter galt,

Num.gZ. 1729. den 25. Avrill.

Oum Lratis L pnvilc^io §LcrL OelrreLktsjellLkü.

Aligspurgischc Ordmari-Post-ZclNW.

Druckes und Verlegte Auqustus Sturm,

welch« Momags,Dlenstags,Miri«och, and Sambstags«

zu haben leyn.

Kopflehke der Uugsburger I^o/k^eitung vom Jahre (verkleinert).

der einem jeden, wo es nur irgendwie anging, auf das bereitwilligstemit Rat und Tat beistand. Er dürfte wohl auch mit jenem Brandmülleridentisch sein, der (nach Heyck) im ersten Jahrzehnt des 19. Jahr-hunderts an der Allgemeinen Zeitung mitgearbeitet und fremde Zei-tungen für sie bearbeitet hat. Das Interessanteste an diesem Post-zeitungsredakteur aber ist, daß er Protestant war.

Ueberhaupt scheinen damals bezüglich der Redakteure zum Teileigentümliche Berhältnisse existiert zu haben. Wurde die Postzeitungdoch nach E. F r h r. v 0 n S e i d a (30. Oktober 1819 bis 26. September1826), Friedrich Loe (29. September 1826 bis 31. Dezember 1831)und Friedrich Butters (1. Januar 1832 bis 31. Dezember 1832)voin 1. Januar 1833 bis 3. April 1835 von Or. August JosephAltenhöfer redigiert, der vom November 1833 ab gleichzeitig inder Redaktion der A u g s b u r g e r A l l g e m e i n e n Zeitung"tätig war, an der er später bis 1869 als Chefredakteur fungierte.Unter diesen Umständen finden wir es begreiflich, wenn ihm in derdeutschen Biographie nachgerühmt wird, daß er dieAugsburgerPostzeitung", wie sie sich seit 1833 kurzweg nannte,in gemäßigtemund duldsamem Geist" mit anerkennenswertem Geschick geleitet habe.Im übrigen war Altenhöfer ein überaus belesener Mann, aber auchein außergewöhnlich sarkastischer Epigrammatiker, weshalb er gernder deutsche Martial" genannt wurde.

Boin 1. April 1835 an wurde die Postzeitung wieder wie vor1819 von ihrem Berleger May verantwortlich gezeichnet und dies biszum 31. Mai 1840. Mit dem 1. Juni ging sie samt der Moyschen Buch-druckerei in das Eigentum des Buchhändlers Friedrich CarlK r e m e r über.

Noch in der letzten Zeit der Moyschen Aera machte sich in derHaltung derAugsburger Postzeitung" ein bedeutsamer Umschwungbemerkbar. Sie stellte sich mehr und mehr auf den festen Boden derkatholischen Weltanschauung und trat für sie kühner und schärfer indie Schanzen. Und als das sogenannte Kölner Ereignis von 1837,die Zwangsabführung des Erzbischofs Clemens August Frhrn. vonDroste zu Vischering wegen seiner Stellungnahme in der Frage derKindererziehung bei gemischten Ehen und seines Borgehens gegendie widerkatholische Hermesianische Lehre an der Bonner Universitätkam und in Preußen keine Zeitung es wagen durfte, den gefan-genen Kirchenfürsten zu verteidigen, da war dieAugsburger Post-zeitung" eines der wenigen Blätter, die in diesem schweren Konfliktfür den Erzbischof und das Recht und die Freiheit der Kirche ein-getreten sind.

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Nicht ohne Einfluß auf die veränderte Haltung der Postzeitungwar die Bewegung, die seit Görres' Uebersiedlung nach München (1827)dort allmählich Platz gegriffen hatte und immer weitere Kreise zog.Zwar hatte es in München im Schatten der treukatholischen Dynastieder Wittelsbacher nie an kirchlich gesinnten Elementen gefehlt.Aberes fehlte", wie Clemens Brentano geistvoll bemerkte,ein Konzert-meister, der die einzelnen, teils abgerissenen, teils neusprossendenStimmen zur Einheit sammeln könnte und die Lücken ausfüllen, daßsie sich ihrer als ein Ganzes bewußt würden". Nun war in Görres derKonzertmeister gefunden und freudig scharten sich zahlreiche undwackere Gesinnungsgenossen um den genialen katholischen Borkämp-fer. Es seien nur die Namen Baader, Ringseis, Frhr. von Moy,Philipps, Iarcke, Möhler, Höfler, Döllinger genannt. Sie alle undviele andere verkehrten im Hause des gefeierten Geschichtsprofessors.Es wurde der geistige Mittelpunkt für die katholischen Gelehrten undzwar nicht nur von München , sodann auch von auswärts. Das gehtaus Briefen Hefeles, Staudenmaiers und anderer hervor, wie auchaus der Tatsache, daß damals kaum ein katholischer Gelehrter durchdas aufstrebende Isarathen reiste, ohne Görres zu besuchen und sichvon seinen großen und weiten Gedanken erwärmen und begeisternzu lassen.

Zu den jüngsten Mitgliedern der Münchener Görresgemeindegehörte der im Jahre 1909 nach fast hundertjähriger Lebenszeit ver-storbene bekannte Professor llr. I. N. Sepp und PrivatdozentDr. Ludwig Merz, Geograph und Optiker, ein Sohn des berühmtenOptikers Georg Merz , des Nachfolgers Fraunhofers und Utzschnei-ders. Und diese beiden jungen, von mächtigem Freiheitsbewußtseinund Gerechtigkeitsgefühl getragenen Gelehrten stellten die Verbindungzwischen dem Münchener Konzern und derAugsburger Postzeitung"her durch die enge Fühlung, die sie mit ihrem Studienfreund Dr. Lud-wig Schönchen unterhalten haben, der 1842 die Redaktion derPostzeitung auf Veranlassung des Professors Freiherrn von Moyübernommen hatte. Or. Schönchen, der die Rechte studiert hatte,war ein Mann von positiven Grundsätzen, freiem Blick und unbefan-genem Urteil und er konnte seine von der Münchener katholischenBewegung genährten konservativen Anschauungen um so besser undnachhaltiger zur Geltung bringen, als er in dem neuen Verleger desvon ihm geleiteten Blattes nicht bloß Verständnis, sondern auchUnterstützung fand. Friedrich Carl Kremer war der Sprosse einer hoch-geachteten, mit der Geschichte Augsburgs innig verwobenen Familie.Sein Vater ward durch das Vertrauen seiner Mitbürger dreimal zurobersten Leitung der Stadt berufen und zeichnete sich wie durchglänzende Erfüllung seiner Amtspflichten so auch durch weise undunermüdete Sorgfalt für Wahrung und Förderung der katholischenInteressen der Stadt aus. Die gleichen Wege wandelte der Sohn.

Num. 14. I/Z2

den ly.Ienner.

dun: OrLUL L krivilegio 5rcrL dzelsrer XajellLÜr.

Aligspurgischc Ordmari-PostAltUlig.

Drucks und VerlegkS, /.uZultm 8mrm.

WeicheMlmlag/ Dnnllag/ Mittwoch/ lsre«i°L/ und Sambliags/ju haben styn.

Kopstei)ie der Uugsöurger s^o/kreitllng vom Jahre 17I2 (verkleinert).

Ob die Vergrößerung des Formats, die Kremer mit Beginn desJahres 1842 seinem Blatte gab, schon in Zusammenhang zu bringenist mit dem von der Görresgemeinde später betriebenen Proiekte, dieAugsburger Postzeituna" zu höherer Bedeutung emporzuheben undals katholisches Organ für ganz S ü d d e u t s ch l a n d unr-und auszugestalten, vermögen wir nicht zu entscheiden. Sicher ist, daßin diesem Sinne Professor Dr. Freiherr von Moy im Jahre 1846mit dem Schaffhausener Konvertiten und Geschichtschreiber Friedrichvon Hurter verhandelt hat, nachdem inzwischen ein vergeblicherBersuch gemacht worden war, in München ein großes katholischesBlatt zu gründen. Und wenn Frhr . von Moy Hurter in der Folgeauch mitteilen mußte, daß das Projekt ins Stocken geraten sei, ganzaufgegeben war es noch nicht: wenigstens war im Jahre 1847 von ihmnoch die Rede und in Nummer 171 derAugsburger Postzeitung" vom