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Die Augsburger Postzeitung und Neue Augsburger Zeitung im neuen Heim
Entstehung
Seite
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Von der Maschine weggetragen, werden die Zeitungen zuBündeln verschnürt, und draußen warten schon ungeduldig Auto-mobile und eine Menge Trägerinnen mit Karren, um die neuesteZeitung in größter Eile zur Bahn, in die Häuser, zu denFabriken und an die sonstigen Ablagestellen zu bringen, wo mandas Blatt überall wie einen guten, langerwarteten Freund empfängt.

Aus dieser Schilderung wirdmancher ersehen, was für einschmieriger, nervenquälender Wegvon der Papierrolle bis zur fer-tigen Zeitung von Tag zu Tagzurückzulegen ist bei derAugsburger Postzeitung" wegender Morgen- und Abendausgabetäglich sogar zweimal. Undwenn nun einmal eine ungenaueNotiz durch diesen Freund insHaus gebracht wird, wenn mit-unter sogar ein treuer Leser vondieser Ungenauigkeit betroisenwird, wenn der Freund wasängstlich vermieden wird, aberdurch die Uebermacht der Ver-hältnisse und durch den Willen,in letzter Minute noch das Aller-neueste in die Zeitung zu brin-gen, doch eintreffen kannwenn der Freund einmal etwasspäter eintrifft, als man ihnregelmäßig erwartet, dann zürne nicht zu sehr, lieber Leser;denn jede Zeitung ist ein Kind der höchsten und eiligstenKraftanstrengung, eine Schwergeburt von wenigen Stunden, beider man mit Hunderten und aberhunderten Zwischensällen undoft auch recht unangenehmen Betriebsstörungen zu rechnen hat.

genommen werden. Denke dir, da käme ein Geistlicher oder ein Lehrer vomLande und verlangte, der ganze Börsen- oder Handelsteil solle wegfallen,indem er bemerkt:Ich habe keine österreichischen Staatspapiere und keineHibernia-Aktien, also bezahle ich mit meinem Gelde täglich ein großes Stückvon der Zeitung, das mich gar nicht interessiert." Könnte eine Zeitungdarauf eingehen? Nicht anders wäre es aber, wenn jemand schriebe:Ichwill keine Schulartikel lesen, denn ich habe keine Kinder." War da ein

Redakteur, der veröffentlichte in sei-nem Blatt eine prächtig geschriebeneHumoreske; aber nach zwei Tagenteilte ihm ein Geheimer Oberregie-rungsrat mit:Machen Sie doch keineso dummen Witze, dafür ist das Lebenzu ernst, und eine Zeitung wird nichtfür Studenten geschrieben." Ja, ver-ehrtes Publikum, wenn du den Re-dakteur fortgesetzt mit solchen Zumu-tungen bombardierst, wo immer Mül-ler das Gegenteil dessen befürwortet,was Schulze will, dann gibt es nurzwei Möglichkeiten: entweder derAermste wird ganz verärgert undweiß nicht mehr, wem er es rechtmachen soll, oder er denkt im stillenHerzenskämmerlein bei sich:Ihrkönnt mir alle gestohlen werden."Wer eine Zeitung ganz genau so ein-gerichtet haben will, wie sie seinemGeschmack und seinen Bedürfnissenentspricht, der muß auf seine Privat-kosten eine Anzahl Redakteure an-stellen und eine Druckerei begründen von diesem Blatte braucht dannnur eine einzige Nummer gedruckt zu werden." Allen denjenigen, welcheso gerne Kritik an den Zeitungen üben, sei hiemit ans Herz gelegt, daßdie Abonnenten eines Blattes einem großen Vereine gleichen. Wie ineinem solchen die Wünsche des einzelnen hinter die der Gesamtheit zu tretenhaben, so muh ouch eine Zeitung allen ihren Lesern etwas zu bieten suchen.Es kann zwar der einzelne Leser der Zeitung, gleich dem einzelnen Mitglied

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Und auch wenn im Inhalte der Zeitung das eine oder anderedeinen Wünschen nicht entsprechen sollte, dann brich nicht gleich denStab über sie, sondern beherzige nachstehende Bemerkungen, die eingroßes Blatt gelegentlich einmal in dieser Beziehung gemacht hat:

Bei einer Zeitung hält mancher Bezieher sich selbst für denNormalleser und verlangt die Zeitung ganz genau so eingerichtet, wiees ihm patzt. Das geht nicht, lieber Freund, auch auf andere muß Rücksicht

eines Vereins, seine Wünsche geltend machen, und es werden diese gewiß,so gut es geht, Berücksichtigung finden; allein das darf der Bezieher einerZeitung nicht verlangen, daß wegbleiben soll, was i h n nicht interessiertund woraus andere schließlich ein großes Gewicht legen."