fehler in den Zeitungen! Der Druckfehlerteufel ist eben ein schlauerKerl! Er will sich um jeden Preis ein Plätzchen in der Zeitung sichern.Nur ein Beispiel: So war beim Setzen des Wörtchens „hinzuzufügen"vom Setzer ein „s" erwischt worden, so daß es hieß „hinzuzufügen".Der Korrektor verbesserte den Fehler und schrieb ein „f" nn denRand. Der Setzer griff in das Fach, in dem die „f" sind und erwischteeinen — Fisch. So nennt man in der Setzersprache einen, in ein
Typograph-Letzinasihine sich L. IO).
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falsches Fach geratenen Buchstaben. Der Fisch war der Buchstabe „l".Nun hieß es „hinzuzulügen", was man einer Zeitung natürlich amehesten glaubt.
Nach der Korrektur ist der Satz endlich so weit, daß er in dieHände des Metteurs gelangen kann. Dieser hat die Obliegenheit,nach Angabe der Redaktion den Satz so zusammenzustellen, daß erbereits ein getreues Bild einer Zeitungsseite gibt. Durch dieses An-einanderreihen des Satzes entsteht Seite für Seite, die sodann mittelselektrischen Aufzuges in die Stereotypie gelangen.
Inzwischen ist die „Geisterstunde" herangekommen. Das istjene kurze Spanne Zeit, in der die letzte Zeitungsseite fertiggestelltwird. Da wird von allen Seiten Unmögliches verlangt. Der Betriebs-leiter hat noch „Stöße" von Manuskripten vorrätig, die „unbedingt"abgesetzt werden sollen, ein Redakteur um den andern erscheint imSetzersaal mit den neuesten Depeschen, Lokalnachrichten und son-stigen wichtigen Meldungen, die wieder „unbedingt hinein" müssen,die Setzer sollen zehn und mehr Hände haben: wer von den Inseraten-setzern fertig ist, muß kommen, um mitzuhelfen, das Manuskriptwird in Fetzchen zerstückelt, um es ja noch zu bewältigen, der Metteurhat selbstverständlich auf der letzten Form nicht mehr genügend Platz,um alle Redakteure zufriedenzustellen — kurzum, die Geister platzenauseinander, bis sich die Wogen an der Ruhe des Metteurs brechen,der nun einmal „nichts dranhängen kann", und die Geister sich insUnabänderliche fügen. Jeder hat „bluten" müssen: aber schließlichwird man's bei dem täglichen ungeheuren Stosfandrang, woruntersie Zeitungen zu leiden haben, gewohnt. Damit sind wohl auch die-jenigen aufgeklärt, die da meinen, eine Zeitung müsse irgend etwaserfinden oder zusammenlügen, nur um ihre Spalten füllen zu können.
Endlich ist auch die letzte Seite auf dem Blei glücklich vollendet,und wir folgen, um das weitere Werden der Zeitung kennen zulernen, dem Betriebsleiter in die
Stereotypie.
Dies ist eine Werkstätte, über deren Schaffen sich die meisten im Un-klaren sind. Früher, als die Zeitungen noch mit Handpressen undspäter mit Schnellpressen gedruckt wurden, da wurde die Bleikolumne,wie wir sie oben in ihrer Entstehung in der Setzerei verfolgten, ein-fach in die Presse gespannt und dann abgedruckt. Das war ein sehreinfacher Vorgang. Heute, im Zeitalter der Notationsmaschinen und
der zweimal täglich erscheinenden Hunderttausendauflagen wäre einesolche Herstellung unmöglich. Erst mit der Notationsmaschine wurdedie Stereotypie im heutigen Umfange geboren. Bon der gesetztenZeitungsform wird durch Prägung eine Matrize, ein Tiefdruck inpräparierter Pappdeckelmasse, hergestellt, und diese Pappdeckel-matrize wird nun in der Stereotypie abgegossen. Nach der Konstruk-tion der Rotationsmaschine ist es nicht möglich, von den gesetztenFormen selbst abzudrucken, sondern die Maschine verlangt zylin-drisch geformte, in einem Stück gegossene Schriftplatten. Auchin der Stereotypie verwendet unsere Firma die neuesten Apparate,so zur Herstellung der Matrizen eine Viktoria-Herkules-Kniehebel-prägepresse von Rockstroh L Schneider in Leipzig-Heidenau, zumTrocknen der Matrizen eine Trommel der Maschinenfabrik F. Wesel,Mfg. Co., Brooklyn-New-Iork, und zur Anfertigung der Rundplatteneine Schnellgießeinrichtung (Schmelzofen mit zivei Pumpvorrichtun-gen und zwei Gießapparaten) aus der Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg, von der auch die Fräs-, Justier- und Bohrapparate, dieFlachgießinstrumente, sowie sämtliche Apparate für den Bilderdruckbezogen wurden.
Die blanken Stersotypieplatten gelangen dann zur letztentechnischen Instanz, zu den
Roiatioiismaschineii.
Zwei Pierrollenmaschinen, Ungetüme von 3lt> Meter Höhe, 6,90 MeterLänge und 2 Meter (mit Falzapparat 3 Meter) Breite, von denen aufjeder eine 32- bzw. mit Beilage 36seitige Zeitung hergestellt werdenkann, stehen im neuen Rotationsmaschinensaal, während früher zweiMaschinen aufgestellt waren, die nur 16seitige Exemplare hervor-bringen konnten. Auch Zweifarbendruck für Inserate und Bilderdruckist aus diesen Maschinen möglich. Sie sind ebenfalls Fabrikate der auchauf diesem Gebiete bahnbrechenden und überaus leistungsfähigenM a s ch i n e n f a b r i k A u g s b u r g - N ü r n b e r g , die ja Aufträgezum Bau von Rotationsmaschinen aus der ganzen Welt empfängt.
Schon sind die Stereotypieplatten in die Rotntionsmaschineneingespannt, desgleichen die endlosen Papierrollen, und nun bedarfes nur eines Hebelruckes am elektrischen Anlasser, um das Ungetümin rasselnde Bewegung zu bringen. Die Maschine bedruckt 2, 4, 6,8, 10, 12, 14, 16, 18, 20, 24, 28 oder 32 Seiten je nach Bedarf, zer-schneidet die Papierrolle und salzt sie zugleich, so daß die Zeitung s ofertig herauskommt, wie sie der Leser nachher in Händen
Liiiotlipe-LetziiiLisihine sisi. L. 29).
hält. Die Maschine zählt auch automatisch die gedruckten Exemplare,und immer, nachdem sie wieder 25 oder 50 Zeitungen abgegeben hat,schleudert sie dessen zum Zeichen ein Exemplar stärker hinaus, so daßdie Abnehmer am Falzapparat auf diese Art eine Kontrolle haben.In 2 bis 3 Stunden, je nach der Stärke der Zeitung, ist die ganzeAuflage der „Neuen Augsburger Zeitung" mit rund 40 000 Exem-plaren gedruckt, woraus man sich leicht einen Begriff machen kannvon der rasenden Schnelligkeit, mit der solche Maschinen arbeiten.