Aufsatz in einer Zeitschrift 
"Inseln im Meer des Beliebigen" : Architektur und Implementierung eines Internetportals Deutsch-jüdische Periodika
Entstehung
Seite
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»Inseln im Meer des Beliebigen«73stitionen erfordert. Dies betrifft zum einen die Herstellung der so ge-nannten Digitalisate, zum anderen die Finanzierung leistungsstarkerHardware. Weitaus kostenintensiver ist jedoch der Investitionsaufwandim Softwarebereich: Selbst wenn ein geeignetes Dokumentenmanage-mentsystem gefunden wurde, mit dem alle Arbeitsschritte von der Erfas-sung bis zur Präsentation der Quellen durchgeführt werden können, ver-ursachen Software-Anpassungen stets weiteren Finanzierungsbedarf. In-wiefern die gewählte Software die anstehenden Aufgaben allerdings tat-sächlich zu bewältigen vermag, erfordert wiederum technische Urteilsfä-higkeit. Spitzentechnologie ­ hier sollten keine Zugeständnisse gemachtwerden ­ ist teuer und erfordert professionelle Kenntnisse. Die Verwen-dung veralteter Systeme oder die Entscheidung, den Auf- oder Ausbauder technischen Infrastruktur>Hobbyprogrammierern< zu überlassen,heißt, im sensibelsten Bereich des Projekts eine Zeitbombe zu plazieren.Die Auswahl des Corpus, das digitalisiert werden soll, hat sich einer-seits technischen Design- und Produktionsmöglichkeiten zu beugen: Dader finanzielle Aufwand erheblich ist, wird jeder Projektträger früh An-schlussvorhaben ins Auge fassen und nur in Verfahren investieren, vondenen Folgeprojekte profitieren können. Andererseits müssen verfah-renstechnische Strategiekonzepte die ökonomischen und inhaltlichenAuswahlkriterien berücksichtigen, wobei es grundsätzlich zwischen>gu-ten< und>schlechten< Entscheidungsparametern zu unterscheiden gilt:26Ob die Digitalisierung zur Sicherung gefährdeter Bibliotheksbeständebeiträgt und langfristig die herkömmliche Microverfilmung ablöst, spieltin diesem Zusammenhang eine nachgeordnete Rolle:Digitalisierung macht die Aufbewahrung der Originale nicht überflüssig; sie löstauch nicht die konservatorischen Probleme der Bibliotheken. Aber sie erleichtertdie Benutzung historischer Texte in entscheidender Weise und ist geeignet, neueFragestellungen anzuregen.27Entscheidend ist vielmehr, dass Projekte dieser Art unter dem Primatstehen,»durch den Einsatz digitaler Technik die wissenschaftliche Litera-turversorgung zu verbessern«; sie gewährleisten den»Direktzugriff auffür die Forschung und Lehre wichtige Bestände« sowie den»Mehrfach-zugriff auf vielgenutzte Literatur« und haben»die digitale Bereitstellungschwer zugänglicher Bestände« wie auch»die erweiterte Nutzung bishernur wenig bekannter Materialien« zu sichern.2826Vgl. z.B. den Überblick von Abby Smith: Real-Life Choices.(siehe Fußnote 19).27Die Erschließung und Bereitstellung digitalisierter Drucke, S. 3.(Fußnote 5).28Empfehlungen zur inhaltlichen Auswahl von Bibliotheksmaterialien für die retrospek-tive Digitalisierung, S. 2.(Fußnote 20).