Aufsatz in einem Sammelwerk 
Digitalisierungsprojekte, Datenbankportale und Literaturmanagement in den Geisteswissenschaften : Anforderungsprofile – Softwarelösungen – Realisation
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die Einhaltung typographischer bzw. formatsprachlicher Vorgaben gewährleis-ten.Eine gänzlich neue Dimension gewinnt der rhetorische Akt der memoria durchden Einsatz von Datenbanken in den Geisteswissenschaften: Hatte sich der klas-sische Orator seine Rede für den freien, öffentlichen Vortrag einzuprägen,>memoriert< die Datenbank nicht nur eine konkrete, situationsabhängige Er-gebnisstufe, sondern auch sämtliche direkten und indirekten Vorstufen sowiealle über- und untergeordneten Elemente des Produktionsprozesses des Textes.Die Bestandteile, aus denen das Arbeitsergebnis letztlich resultiert, werden im»Visual Composer« getrennt von einander in nicht-proprietärer Form systema-tisch archiviert, um entweder bei Bedarf separat aktualisiert zu werden oder inneue Projekte einzugehen.***Das Einsatzgebiet von Datenbanken, dies sollten die Anmerkungen zum»VisualComposer.NET« ebenfalls verdeutlichen, kann sich in den Geistwissenschaftennicht auf die Verwaltung homogener, hochstrukturierter Materialbestände, z. B.bibliographische Metadaten, beschränken. Die spezifische Stärke datenbankge-stützter Literaturmanagementsysteme, die mittlerweile auch>kleine< Desktop-lösungen für den Privatanwender auszeichnen, liegt vielmehr darin, effizient undergebnisbezogen Materialien und Informationen zu synthetisieren, deren formaleCharakteristika ebenso wie ihre konkrete Nutzanwendung z. T. hochgradig vari-abel sind. Dieses Potential ­ kombiniert mit der multiplen Einsatztauglichkeitdieser Systeme, welche nicht zuletzt aus ihrer modularen Architektur und ihremergonomischen Design resultiert ­ gewährleistet, dass solche Anwendungenpraktisch sämtliche Aufgabenschwerpunkte ihrer Nutzer abdecken bzw. beglei-tend unterstützen. Auf der Grundlage einer erweiterbaren Datenbasis kann derGeisteswissenschaftler in einer einheitlichen, webaktiven Softwareumgebung alleArbeiten durchführen, die sich im Rahmen von Studium, Lehre und Forschungergeben ­ Datenverwaltung bzw.-archivierung, Informationsrecherche,Verfügbarkeitsprüfungen, Literaturbeschaffung, Textauswertung und-verarbei-tung, Veranstaltungs- bzw. Projektorganisation, Publikationsmanagement usw.Der Fokus all dieser Tätigkeiten und Anstrengungen, die den Tagesablauf desGeisteswissenschafters bestimmen, richtet sich in der Regel letztlich darauf, er-stellte Lehrmaterialien oder gewonnene Forschungsergebnisse zu veröffentli-chen. Das Spektrum möglicher Publikationstypen ist dabei grade in den>Hu-manities< denkbar breit und reicht von der Rezension oder Miszelle über denEssay, die Dissertation oder Habilitation bis zu großangelegten Projekten wieumfangreiche Einzelstudien, kommentierte Quelleneditionen, fachwissen-schaftliche Nachschlagewerke und datenbankgestützte Webportale. DiesenVeröffentlichungsformen gesellt sich in den Geisteswissenschaften der nicht un-bedeutende Bereich der sog. Grauen Literatur zur Seite: in der Lehre z.B. Semi-nar- und Examensarbeiten, aber auch Arbeitsblätter, Lektürelisten, Reader oder179