Teil eines Werkes 
Theil 1 (1777)
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Lein. Flachs.

In der Zusammensetzung dieser Wärter mit andernaber, ist der Gebrauch ganz besonders. Die Saamenkör-ner heissen nicht Flachbahnen, sondern Leinfaainen.Ohngeachtet die Leinwand, eigentlich nicht aus dem Lein,sondern aus dem Flachs verfertiget wird, so sagt mandoch nicht: Flachjen U?and, sondern Leinwand, vonLein und dem alten Worte 5Vand, welches ein Zeug be-deutet. Nicht flächsen Geräthe, sondern leinen Ge-rüche, u.s.m.

Hingegen nicht eine leinene Schnur, sondern eineflachsene Schnnr. Und doch sagt man: Eine Leine.Eine Zeuglcine, eine pferdeleine, das Pserd an derLeine haben, u.s.f. welches Wort unstreitig von Lein ab«stammet.

Man verknüpfet sog^ar beide Wörter, und sagt in demgemeinen Gebrauch, flachZene Leinwand, wenn mansie von der Hänfenen oderdVergenen unterscheiden will.Ja ohngeachtet die Zusammensetzung, hänfene Lein-wand eigentlich widersprechend ist, indem ein Wand, oderZeug, welches aus Hanf gemacht ist, nicht Leinen seynkann, so wird doch diese Redensart, durch den Gebrauchunseres Frauenzimmers gerechtfertiget. Der Gebrauchaber ist ein Tyrann, welcher sich an keine Gesetze bindet,sondern einen blinden Gehorsam fodert.

Vielleicht ist diese Unrichtigkeit, in Zusammensetzungder Wörter, überhaupt dem Frauenzimmer zuzuschreiben,welches am meisten, mit Flachs und Lein umgehet, undsich in dem Gebrauch der dazu gehörigen Benennungen,nicht nach den Regeln der Sprachkunst gerichtet hat.

Man möchte hicbei sagen, was der Abt Olivet, imFranzösischen, von dem Buchstaben ^ sagt: I^ex jinZeiesont imrociuit I'ulli^e, cie 6ire: 'I'oile ä'I^ollgncle. Ohn-gcachtet sonst dieser Buchstab, in dem Worte ?Ic>IIgucie,eigentlich mit einem starken Hauch, muß ausgesprochen,und also nicht verschlungen werden. Wie man sagt, I^c»

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