88 Gebrauch. Brauch. Gewohnheit.
ger Zeit gethan hat, ist eine Gewohnheit. Was nuran gewissen Orten, und bei gewissen beuten, von ihrenVorfahren der im Gebrauch gewesen, oder was als eineRegel des Verhaltens von langen Zeiten eingeführet ist,wird ein Herkomme«» genannt.
So kann man sagen: Es ist ein Gebrauch desspanischen Hofes, das? die Grossen, mit einer Brille aufder Nase vor dem Könige erscheinen. Diese Gewohnshcit ist so alt, daß man sich wundern würde, einenVor-nehmen ohne Brille zu sehen. Und sie halten so vestüber diesem Herkommen, daß es der König selbst nichtabbringen kann.
Der Gebrauch bringet es mit sich, daß wir dieje«nigen, welche uns zu Gaste gebeten haben, wieder bit-ten. Wer von Jugend auf, Wasser getrunken hat, beidem ist das Wassertrinken zur Gewohnheit geworden.Daß der Magistrat zu Frankfurt am Main , den Abge-sandten hoher Haupter, ein gewisses Gefchenk von Rhein ,wein macht, oder daß die Schüßengilde, in einigenStädten, jährlich ein Königsschiessen halt, ist ein altesHerkommen.
Es ist ein allgemeiner Gebrauch, daß man bet demAbsterben seiner Freunde, schwarz gekleidet gehe. Sichnach der französischen Art zu kleiden, ist unter uns schonlangst zur Gewohnheit geworden. Um nicht von demalten Herkommen abzugehen, tragen die SchweizerinZürich , an grossen Festtagen, und in ihren Rathsver-sammiungen, noch eben solche Kleidung, wie ihre Vor-fahren, vor einigen Jahrhunderten getragen haben.
Der Gebrauch hat eine gewisse Art der Kleidungeingeführet. Die Gewohnheit, macht, daß wir keineandere Art von Kleidung tragen können, ohne darin sehrgezwungen zu seyn, und sich nach dem alten Herkom-men zu kleiden, ist in manchen Stücken sehr unbequem.
Man